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| 12. September 2013 16:32 | Kommentare deaktiviert für Warmlaufen mit Dino: BV Cloppenburg – VfB Oldenburg
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Das Gastspiel des VfB in Cloppenburg findet schon am Freitagabend statt, da der BV Cloppenburg seine Heimspiele vorzugsweise freitags unter Flutlicht austrägt. Der VfB reist mit dem Rückenwind eines zumindest in dieser Höhe nicht erwarteten 5:2-Siegs über den TSV Havelse zum Bezirksderby; der BVC hatte knapp zwei Wochen lang Zeit, den bisher ziemlich verunglückten Start in die Saison 2013/14 aufzuarbeiten. Da man das eigentlich für das letzte Wochenende angesetzte Spiel gegen Eintracht Braunschweig II bereits am 28. August ausgetragen hatte, war die Mannschaft nach der 1:3-Heimniederlage gegen den Aufsteiger SV Eichede (fünfter Spieltag) erst einmal spielfrei, was in der aktuellen Situation sicherlich nicht ungelegen kam.

In den vergangenen Jahren spukte beim BV Cloppenburg ja (fast) immer das Gespenst der Herbstkrise, wenn nach einem mehr oder (etwas) weniger gelungenen Start irgendwann im Oktober „der Wurm drin“ war und es einige schlechte und/oder sieglose Spiele nacheinander gab. In dieser Saison scheint es gleich mit der Herbstkrise losgegangen zu sein, denn bis auf einen 3:0-Sieg im NFV-Pokal (Achtelfinale nach Freilos in Runde 1) beim TV Dinklage gab es in insgesamt acht Pflichtspielen (Liga und Pokal) keinen Sieg. Zu Buche stehen bisher drei Unentschieden (in Norderstedt, gegen den BSV Rehden und gegen Braunschweig II) und vier Niederlagen. Neutrale Beobachter waren sich mit dem Trainerteam in der Bewertung der gebotenen Leistungen zumeist einig: Ideenloses und wenig konstruktives Aufbauspiel, Häufung individueller Fehler, schlechtes Zweikampfverhalten, Verzettelung in Einzelaktionen, zu wenig Laufbereitschaft und Einsatz … Kurzum alle Mängel und Gebrechen einer Mannschaft, die sich als Mannschaft noch nicht wirklich gefunden hat, und die zudem entsprechend verunsichert ist. Der misslungene Saisonstart hängt sicherlich auch mit dem sommerlichen Transfergeschehen beim BVC zusammen. Aus der Stammformation der letzten Saison haben vier Spieler den Verein verlassen, die nicht nur Stammspieler waren, sondern darüber hinaus prägend für das Spiel des BV Cloppenburg. Insgesamt sind es 14 Spieler, die im Sommer gegangen sind, bzw. die vom Verein kein neues Vertragsangebot bekommen haben.

Den Abgängen stehen nur zehn Neuverpflichtungen gegenüber, was die Kadergröße auf 20 Spieler (davon zwei Torleute) reduziert hat. Für eine Regionalliga-Saison mit immerhin 34 Spieltagen ist ein derartig kleiner Kader kaum ausreichend. Es besteht ein massives Risiko, dass man Spiele mit einer (teilweise) nicht wirklich wettbewerbsfähigen Mannschaft bestreiten muss, wenn es verletzungsbedingte oder andere Ausfälle geben sollte. Da beim BV Cloppenburg die zweite Mannschaft in der letzten Saison „voll den Bach runtergegangen“ ist (in die Kreisliga), fehlt dem Verein auch ein angemessener Unterbau, aus dem man Spieler hochziehen könnte. Die U19 spielt in der Landesliga und damit auch wohl zu tiefklassig, um als angemessener Nachwuchsbereich für einen Regionalligisten gelten zu können.

Bei den Neuverpflichtungen handelt es sich zumeist um alte Bekannte. Mit Andreas Gerdes-Wurpts (SV Meppen) soll die Lücke gestopft werden, die der Weggang von Torjäger Rogier Krohne gerissen hat. Gelingt es, aus Gerdes-Wurpts und dem inzwischen von einem Schlüsselbein-Bruch wieder genesenem Tim Wenke ein funktionierenden Sturm-Duo zu machen, dann ist der BVC im Angriff durchaus gut aufgestellt. Etwas mau sieht es allerdings mit einer Zweitbesetzung aus. Hier steht noch der vom VfB Oldenburg geholte Julian Bennert zur Verfügung, ansonsten noch die offensiven Mittelfeldspieler Jonas Wangler, Paus Kosenkow, sowie Erdal Ölge (in Rehden verabschiedet). Milad Faqiryar (von Kickers Emden) wurde zwar als Linksverteidiger geholt, spielt aber inzwischen im offensiven Mittelfeld bzw. im Angriff und hat bereits zwei Tore erzielt; genau so viele, wie der als Torjäger geholte Andreas Gerdes-Wurpts. Am 2. September, dem letzten Tag der sommerlichen Transferperiode, konnte mit Nuri Konak (Arminia Bielefeld U19) noch ein Spieler für das zentrale Mittelfeld geholt werden. Für die Abwehr hat man vier Neue geholt, darunter den Innenverteidiger Tim Hofmann, der Stammspieler und auch ein Leistungsträger beim SV Wilhelmshaven war. Mit Daniel Olthoff wurde termingerecht zum vorgezogenen Spiel gegen Eintracht Braunschweig II noch ein Mann für die linke Abwehrseite vom SV Meppen geholt. Der 19jährige Innenverteidiger Andrè Thoben hat früher (bis 2008) in der Jugend des VfB gespielt.

Mit Verletzungen war man dann im bisherigen Saisonverlauf auch noch gebeutelt. Angefangen hat es mit Trainer Jörg-Uwe Klütz, der sich Ende der letzten Saison bei einem Wohltätigkeitsspiel schwer verletzt hat. Auch schon verletzt in die Saison ging es für Stürmer Tim Wernke. Innenverteidiger David Niemeyer konnte aufgrund von Rückenproblemen bisher noch nicht eingesetzt werden und mit Kapitän Christan Willen (Augenentzündung) fiel ein weiterer Innenverteidiger in den beiden letzten Spielen aus. Dass der quantitativ so (zu) knapp bemessene Kader schon jetzt Probleme aufwirft, ist offensichtlich. So konnte der Trainer kaum reagieren, wenn sich Spieler formschwach präsentiert (Torwart Stefan Tilling) oder ihre Defensivaufgaben grob vernachlässigt haben (Paul Kosenkow) oder schlichtweg überfordert waren (Malte Beermann).

Gegen den VfB soll nun ein neuer Anlauf unternommen werden. Man baut darauf, dass verletzte Spieler rechtzeitig wieder fit werden und dass der nach einer roten Karte (im Spiel beim SV Meppen) gesperrte Innenverteidiger Tim Hofmann wieder spielen darf. Man baut auch darauf, dass der last-Minute-Neuzugang Nuri Konak der Mannschaft „sofort weiter helfen kann“ (so Trainer Klütz). Am Montag nach dem Eichede-Spiel gab es eine Krisensitzung, die offiziell keine Krisensitzung war, auf der aber die Probleme angesprochen und diskutiert wurden. Dass die dabei von Jörg-Uwe Klütz aufgeworfene Vertrauensfrage von der Mannschaft positiv beantwortet wurde, überrascht nicht. Eine andere Reaktion hätte den Spielern ein auch Armutszeugnis ohnegleichen ausgestellt.

Wie soll man nun vor dem VfB-Gastspiel die Situation des BVC einschätzen? Vielleicht so: Der derzeitige Kader hat die Qualität für den Klassenerhalt. Er könnte sich allerdings als quantitativ zu knapp bemessen erweisen. Steht die Erstbesetzung (komplett) zur Verfügung, kann der BVC weiterhin eine wettbewerbsfähige Mannschaft aufbieten. Muss aber auf (mehrere) Spieler der Zweitbesetzung zurückgegriffen werden, gilt das nicht unbedingt gleichermaßen.
Die Moral hat zwar unter den jüngsten Misserfolgen gelitten; es dürfte dem Trainerteam und der Mannschaft aber gelingen sie auch wieder aufzurichten. Was fehlt und (aus Cloppenburger Sicht) unbedingt und möglichst schnell her muss, ist ein Erfolgserlebnis, also ein Sieg. Dass es nun aus Oldenburger Sicht mit dem Erfolgserlebnis ruhig noch eine Woche länger dauern darf, versteht sich von selbst.

Es ist davon auszugehen, dass der BV Cloppenburg in einer gegenüber dem Eichede-Spiel auf mehreren Positionen veränderten Aufstellung antreten wird. So darf man in der Abwehr wohl wieder mit Christian Willen und Tim Hofmann rechnen, im Angriff mit Tim Wernke. Es ist zudem anzunehmen, dass der junge Nuri Konak einen Platz in der Startformation einnehmen wird, um dem BVC-Spiel im Mittelfeld wieder mehr Ordnung und Struktur zu geben. Somit könnte es auf folgende Aufstellung hinauslaufen:

Im Tor: Stefan Tilling (1), zu dem es wohl keine wirkliche Alternative gibt, auch wenn er in dieser Saison schon mehrfach gepatzt hat.

In der Abwehr: Bernd Gerdes (7), Kapitän Christian Willen (17), Tim Hofmann (5) und Daniel Olthoff (3).

Im Mittelfeld werden wohl Kristian Westerveld (8) und Nuri Konak (?) die Aufgabe bekommen, das Spiel von hinten heraus zu ordnen und zu lenken.
Vor ihnen könnten Jonas Wangler (19) und Milad Faqiryar (23) die Außenbahnen beackern.

Im Angriff wären Tim Wernke (9) und Andreas Gerdes-Wurpts (18) zu erwarten. Paul Kosenkow (11), der bisher weit unter seinen Möglichkeiten geblieben ist, wurde hier nicht berücksichtigt. Möglich, dass er im Laufe des Spiels für Tim Wernke (9) eingewechselt wird, möglich auch, dass er doch in die Startformation rutscht und Wernke (zunächst) auf die Bank gesetzt wird. Kosenkow würde wohl auf der rechten Seite spielen; Wangler dann mehr zentral.

Für die Bank kommen außer Torwart Siegfried John (31) die Abwehrspieler Moritz Steidten (6) und Andrè Thoben (4), die Mittelfeldspieler Malte Beermann (14) und Erdal Ölge (15) sowie Angreifer Julian Bennert (20) in Frage. Dazu (s. o. entweder Paul Kosenkow (11) oder Tim Wernke (9).

Zum Spiel selbst: Die Derbys zwischen dem BV Cloppenburg und dem VfB waren in der Vergangenheit zumeist heiß umkämpfte und enge Spiele. Dass der VfB im NFV-Pokal und in der RL ganz gut aus den Startlöchern gekommen ist, der BVC dagegen bisher nicht, wird in den 90 Minuten „auf’m Platz“ keine sonderliche Rolle spielen. Hier wird es darauf ankommen, wer sich in den Zweikämpfen besser behaupten und die Initiative ergreifen kann. In Cloppenburg hat der VfB schon seit einer – gefühlten – Ewigkeit kein Spiel mehr verloren, jedenfalls nicht mehr seit dem 7.September 2003. Die Aussichten, auch das kommende Spiel in Cloppenburg schadlos zu überstehen, stehen für den VfB durchaus nicht schlecht.

BV Cloppenburg – VfB Oldenburg am Freitag, dem 13. September 2013 um 19:30 in der Arena Oldenburger Münsterland, Friesoyther Straße in 49661 Cloppenburg

„Dino“, VfB-Fan und – da er das ehrenamtlich macht – wohl auch das, was man landläufig einen „Fußballverrückten“ nennt – präsentiert seine Vorschau auf das kommende Spiel des Fußball-Regionalligisten VfB Oldenburg. Die ungekürzte Fassung von „Dinos Vorspiel“ gibt es auf den Seiten des VfB.

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