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| 20. August 2013 06:00 | Kommentare deaktiviert für Justus, Peter, Bob – und Perry
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Christoph Dittert alias Christian Montillon schreibt sowohl für die Jugendbuchserie “Die drei ???” als auch für die Science-Fiction-Serie “Perry Rhodan”. Auf dem Freifeld Festival ist er mit zwei Lesungen vertreten; wir haben ihn vorab zu diesem literarischen Spagat befragt.

Arbeitszimmer mit Ausblick. FOTO: privat

Arbeitszimmer mit Ausblick. FOTO: privat

Hallo Christoph! Oder soll ich lieber Christian sagen?

Oh, ich habe mich längst daran gewöhnt, dass ich mit zwei Namen angesprochen werde – meinem „echten“ Vornamen Christoph und meinem Pseudonym-Vornamen Christian. Den Künstlernamen nutze ich schon seit vielen Jahren … Ich habe ihn damals gewählt, weil ich zur Zeit meiner ersten Romanveröffentlichungen noch an einer Doktorarbeit in Germanistik schrieb. Die Idee war, hauptberuflich als Wissenschaftler „Christoph Dittert“ zu arbeiten und nebenbei als „Christian Montillon“ Romane zu schreiben. Das hielt ich aber nie sonderlich geheim, man konnte es nach 30 Sekunden Recherche im Internet herausfinden. „Montillon“ wählte ich nach dem Mädchennamen meiner Frau, und das „Christoph“ änderte ich wegen des Klangs ein wenig ab.

Fangen wir mit der Science Fiction an. Als die Perry-Rhodan-Serie vor zwei Jahren ihren 50. Geburtag feierte, mutmaßte der Bestsellerautor Andreas Eschbach in seiner Eröffnungsrede, dass es sich dabei um das größte literarische Projekt der Menschheit handele. Kann man das so stehen lassen?

Aber klar doch. Wer bin ich, dass ich Andreas Eschbach widersprechen würde? Ha, aber im Ernst: Perry Rhodan ist die längste zusammenhängende, fortlaufend erzählte Geschichte der Welt.

Du kommst ja eher aus dem akademischen Bereich, hast unter anderem Germanistik und Literaturwissenschaft studiert und eine Doktorarbeit zum Thema Gesangbuchforschung begonnen. Wie bist du dann zum Co-Autor einer Serie geworden, die viele immer noch mit „trivialen Groschenromanen“ verbinden?

Zur Person: Christoph Dittert, geboren 1974 im rheinland-pfälzischen Rockenhausen, studierte Germanistik, Buchwissenschaft, Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft, bevor er unter dem offenen Pseudonym Christian Montillon begann, sich als Autor in verschiedenen Heftromanserien – vornehmlich in den Genres Science Fiction, Fantasy und Horror – zu betätigen. 2006 stieß er als Team-Autor zur Perry-Rhodan-Serie. Mit Band 2700, der im Mai 2013 erschien, wurde Dittert gemeinsam mit seinem Kollegen Hartmut Kasper Chefautor der Serie. Seit 2011 schreibt er zudem für die Jugendbuchreihe Die drei ???.

Schon als Kind wollte ich Autor werden. Aber das sind ja so Vorstellungen – wie soll man das verwirklichen? Man kann ja keine Ausbildung machen und danach „Autor“ sein. Andere wollten damals Feuerwehrmann werden, ich eben Autor. Dann schlug ich die wissenschaftliche Laufbahn ein, weil mir das akademische Studentenleben gut gefiel. Ich beschäftigte mich als Germanist auf ganz andere Weise mit Literatur. Und las, um das ein wenig zu finanzieren, für einen Verlag Korrektur. Irgendwann ließ ich die Bemerkung fallen, ich würde mich gern mal an einem Roman versuchen. Das hat geklappt. Danach bewarb ich mich noch bei einem anderen Verlag. Dort fragte mich ein Lektor, als er meinen zweiten Roman kaufte: „Warum machen Sie das nicht schon jahrelang und haben damit Ihr Studium finanziert?“ Ich antwortete: „Ich wusste ja nicht, dass ich’s kann.“

Und mal ganz im Ernst: Perry Rhodan ist alles andere als ein „trivialer Groschenroman“. Dieses Image haben nur noch sehr wenige Leute im Kopf – vor allem nicht die, die im Buchmarkt arbeiten. Ich habe noch keinen Lektor getroffen, der wegen Rhodan dachte, dass ich ja „nur Groschenheftautor“ wäre. Im Gegenteil: Alle, die sich auskennen, wissen, dass Rhodan quasi ein Empfehlungsschreiben ist – ich habe sehr gute Kontakte bekommen, eben weil ich Rhodan schreibe. Ja, mich rief sogar ein Lektor eines sehr ernstzunehmenden, großen Verlags an, weil er jemanden für ein Projekt suchte – da schaute er als erstes nach, wer aktuell Perry Rhodan schreibt.

Seit kurzem bist du – gemeinsam mit Hartmut Kasper alias Wim Vandemaan – Chefautor von Perry Rhodan. Was hat man sich darunter vorzustellen?

Das heißt, dass wir gemeinsam die Exposés für die Serie schreiben – also die Handlungsvorgaben, anhand derer die Kollegen die Romane schreiben. Denn Perry Rhodan wird von Roman zu Roman fortgeschrieben, das heißt es wird eine fortlaufende Geschichte erzählt, und natürlich entstehen zehn oder zwanzig Romane gleichzeitig. Das geht nur mit einer zentralen Steuerung über Exposés, die grundlegende Handlungen, Personen und Hintergründe vorgeben, die für mehrere Romane wichtig sind.

Wir erarbeiten den großen Handlungsbogen und achten auch darauf, dass sich die Gesamtgeschichte logisch fortentwickelt. Und dass der Leser, der sich „mal einen Rhodan am Kiosk kauft“, ein gutes Puzzlestück der Gesamtstory bekommt, das sich zu lesen lohnt, auch wenn man sich nicht mit der Serie auskennt. Natürlich nimmt der Spaß zu, je mehr Romane man kennt und je genauer man die Personen und Entwicklungen kennt.

Und wie läuft eure Zusammenarbeit? Besprecht ihr alles gemeinsam, oder gibt es da eine strikte Aufgabenteilung?

Wir besprechen alles zusammen, wälzen und entwickeln die Ideen gemeinsam, werfen uns kreative Bälle hin und her. Das heißt, wir mailen ständig, telefonieren, treffen uns – eine sehr schöne Zusammenarbeit, die verhindert, dass der Autorenjob allzu einsam wird. Denn hinter dem Laptop kann man auch vereinsamen, auch wenn man (wie Hartmut und ich) Familie und Kinder im Haus hat.

Euer Vorvorgänger als Chefautor war der Oldenburger Robert Feldhoff, der 2009 mit nur 47 Jahren verstarb. Er war ja einer der ganz wenigen Norddeutschen unter den Perry-Rhodan-Autoren. Als was für einen Menschen hast du ihn in Erinnerung?

Illustration: Dirk Schulz / Copyright: Pabel-Moewig Verlag GmbH

Illustration: Dirk Schulz / Copyright: Pabel-Moewig Verlag GmbH

Als einen Stillen, der die Serie souverän geführt hat. Seine Genialität erkenne ich jetzt erst, da ich quasi seinen Job erledige und verstehe, wie  und warum er Dinge so getan hat, wie er sie getan hat.

Außerdem habe ich ihn schmunzelnd in Erinnerung – wir saßen etwa einmal im Restaurant, zwischen uns den Chefredakteur der Serie, also denjenigen, der als unser Ansprechpartner im Verlag dient und der die Verlagsarbeit zur Serie erledigt. Damals schrieb ich Exposés zu einer Nebenserie namens „Perry Rhodan-Action“, und wir sprachen über die Arbeit daran. Robert sagte zu mir (wohlwissend, dass eben der Chefredakteur zwischen uns saß): „Dafür könntest du auch das doppelte Geld bekommen.“

Ich hätte Robert Feldhoff gern besser kennengelernt. So bin ich gespannt, vielleicht Oldenburg ein wenig kennenzulernen, die Stadt, in der er stets außerhalb seiner Wohnung arbeitete – sprich, er schrieb meist in seinem Lieblingscafé und seiner Lieblingspizzeria und beobachtete die Menschen in Oldenburg, seiner Heimat.

Seit zwei Jahren schreibst du auch für die Buchserie „Die drei ???“, die viele von uns noch aus unserer Kindheit und Jugend kennen und die in Deutschland einen gewissen Kultstatus erlangt hat. Wie bist du da reingekommen?

Ich habe eine E-Mail an den Verlag geschrieben, die etwa so klang: „Ich liebe die drei ???, ich würde gern einmal einen Fall beisteuern, ich bin seit Jahren Autor bei Perry Rhodan.“ Da bin ich immer sehr direkt, unkonventionell und natürlich. Das weckte Aufmerksamkeit, ich erhielt eine Antwort, die sinngemäß lautete: „Dann versuchen Sie’s doch mal, wir werden es lesen.“ Das ist sehr viel wert …

Also schrieb ich ein Exposé, das den Leuten im Verlag offenbar gefiel. Ich habe den Roman genauso umgesetzt wie geplant. Es wurde mein Erstling „Die drei ??? – Geheimnisvolle Botschaften.“ Vorher allerdings habe ich vier Minibücher für „Die drei ??? Kids“ geschrieben, die aber später erschienen sind als die „Geheimnisvollen Botschaften“. Die Verlagswelt ist manchmal eine Wunderwelt. Man weiß nie, was kommt. Ich hätte es mir vor fünf Jahren noch nicht träumen lassen, Geschichten aus Rocky Beach zu erzählen. Eigentlich kann ich es immer noch nicht fassen.

Ist das für dich nicht ein ziemlicher Spagat, eine hochkomplexe Science-Fiction-Serie einerseits und eine jugendgerechte Krimiserie andererseits zu bedienen?

Ich liebe die Abwechslung. Und das war endlich mal eine kurze Anwort. Damit verabschiede ich mich dann auch … (lacht)

… um am Freifeld-Wochenende (23. bis 25. August) Oldenburg zu besuchen und den Festival-Samstag mit einer Die-drei-???-Lesung sowie einer Perry-Rhodan-Lesung zu bereichern.

(Anmerkung: Der Oldenburger Lokalteil ist Medienpartner des Festivals, die Lokalteil-Redakteure Amon Thein, Björn Franke und Christian Wichmann gehören zu den Organisatoren.)

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Wahloldenburger seit 1999, Mitinitiator der Oldenburger Kurzfilmtage zwergWERK. Wenn Christian gerade nicht seinem Brot-und-Butter-Job nachgeht oder sich auf Filmfestivals herumtreibt, spaziert er gerne durch die Straßen und fotografiert Dinge.
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