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| 15. Juli 2013 08:46 | 4 Kommentare
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Seit 30 Jahren gibt es nun den Oldenburger Plattenladen “Scheibenkleister” schon. Aus Hamburg und München kommen manche Kunden, um bei Akka Beckmann und Wieland Möhlmann der Vinyl-Sammelleidenschaft zu frönen. Ein Porträt

Akka im "Scheibenkleister". FOTO: lb

Akka im “Scheibenkleister”. FOTO: lb

Geschäftig geht es an diesem Samstag Vormittag im “Scheibenkleister” an der Donnerschweer Straße 99 zu; es läuft Musik, Kunden gehen ein und aus, suchen nach Platten, tauschen sich aus. Akka Beckmann lehnt entspannt am Tresen des Ladens, dessen Theke rot gestrichen ist. Gerade möchte ein Kunde zahlen und sagt: “Akka, mach’ mal einen Preis.” – und dieser macht einen, nimmt Geld entgegen, steckt es in eine riesige alte Registrierkasse und gibt noch einen letzten Tipp mit auf den Weg. Nicht nur das Sortiment vom “Scheibenkleister” ist gefragt, auch das Wissen und die Erfahrung der Besitzer in Sachen Vinyl.

Mehrere Urlaubssemester und dann der Laden

“Ich habe eigentlich immer schon gesammelt”, sagt Akka; er hat kurze, graue Haare, trägt einen dunklen Pullover und ein nettes Lächeln; er setzt sich auf seinen hölzernen Barhocker und nickt einem Kunden zu, der den Laden betritt. Ursprünglich aus dem ostfriesischen Örtchen Pewsum, kommt Akka 1980 nach Oldenburg, um an der Fachhochschule Architektur zu studieren; mit dabei hat er nur einen Bus, ein Fahrrad und seine Plattensammlung. Bald macht er ein Urlaubssemester, dann noch eines und dann, nachdem er durch einen Oldenburger Plattensammler Wieland kennenlernt, gibt er das Studium auf. Wieland und er eröffnen ihren ersten Plattenladen, damals noch weiter vorn an der Donnerschweer Straße, da, wo jetzt ein Oldenburger Energiekonzern eine Servicestelle hat. “Ich hatte damals zwar schon eine private Sammlung von mehreren Tausend Platten, unseren Laden haben wir aber begonnen mit 500 bis 1.000 Titeln”, sagt Akka, “Da ging’s erstmal langsam los.” Die beiden interessieren sich für alles, was auf dem Markt ist, von “AC/DC bis Zappa, aber mit Schwerpunkt auf Independent, New Wave und Progressive.”

Die Donnerschweer Straße 99. FOTO: lb

Die Donnerschweer Straße 99. FOTO: lb

Anfang der 1990er-Jahre müssen die beiden aus dem Laden raus, bekommen aber schnell das Angebot, in das Ladengeschäft der Donnerschweer Straße 99 einzuziehen. “Und das war wie ein Schubs in die richtige Richtung, wir konnten auf einmal viel mehr Platten ankaufen, verstauen, lagern und so eine richtige Sammlung aufbauen.” Mittlerweile umfasst der Bestand des “Scheibenkleisters” 20.000 bis 25.000 Platten, schätzt Akka. Die haben sie früher hauptsächlich auf Flohmärkten oder in England gekauft; heute stellen sie sie zumeist aus privaten Sammlungen zusammen – sie inserieren im gesamten norddeutschen Gebiet, kaufen manch eine Sammlung aus Auflösungen auf, und oft kommen auch einfach Menschen in den Laden, die ihre Platten verkaufen wollen. So wie jetzt.

“Hier, du bist der Profi”

“Hier, du bist der Profi. Schau’ mal, ob etwas dabei ist”, sagt ein alter Herr mit Hut und einem großen Pappkarton auf dem Arm. “Warte, es kommt noch eine”, sagt er, hebt die Kiste auf die Theke und verschwindet wieder. Akka räumt die Kiste leer, geht schnell, mit geübten Handgriffen und professionellem Blick das Angebot durch. “Das dauert jetzt etwas”, sagt er dem Mann, der inzwischen mit einer weiteren Kiste im Laden steht, “Ich melde mich bei dir”. Es sei schon erstaunlich, meint Akka, dass die Platte so eine Renaissance erfahren hat. Vor fünfzehn Jahren hätte das keiner gedacht, da war auch die Industrie ganz negativ eingestellt. Aber nun merken Akka und Wieland, wie sich die Leute ganz neu oder wieder für die alten Scheiben interessieren; mittlerweile pressen auch junge Bands ihre Musik auf Vinyl. Viele Kunden kommen von weit wer, zum Beispiel aus München oder Hamburg, um das Angebot des “Scheibenkleisters” wahrzunehmen, das über die Jahre eine umfangreiche, gute Sammlung zusammengestellt hat – in der Hoffnung, dass es bald wieder aufwärts gehen werde mit den Platten. Auch Leute wie Götz Alsmann oder Jürgen von der Lippe stöbern gern mal durch das Sortiment, wenn sie einen Auftritt in Oldenburg haben.

20.000 bis 25.000. FOTO: lb

20.000 bis 25.000. FOTO: lb

Und nun sitzt Akka entspannt und zufrieden in seinem Laden, kennt fast jeden, der etwas bei ihm kauft, mit Namen und sagt: “Ich würde nichts anders machen. Wir haben uns einen Traum erfüllt mit dem Laden, und den wollen wir auch so lange wie möglich leben.” Was er in Zukunft noch vorhat? “Mhm”, überlegt Akka, “Eigentlich nicht viel. Vielleicht mal eine Internetseite für uns basteln, aber das wird wohl noch eine Weile dauern.”

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