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| 29. Mai 2013 09:57 | 15 Kommentare
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Beginnen wir mit der plakativen Überschrift der Woche: “Im Schloss geht bald das Licht aus”, titelt die NWZ düster über einem Interview mit dem Leiter des Landesmuseums Oldenburg, Rainer Stamm. Eine Zeile, die in ihrer Absolutheit leicht übertrieben sein dürfte, denn trotz der Finanzprobleme, die das Haus vor allem über die gestiegenen laufenden Kosten drücken, sagt Stamm: “Theoretisch könnten wir eines der drei Häuser auf Dauer schließen. Doch ich hoffe, dass wir das vermeiden können.” Das Licht bleibt also erstmal an; und das Schloss wäre wohl ohnehin auch das letzte der drei Häuser, das für eine Schließung in Frage käme. Um die gestiegenen laufenden Kosten etwa im Energiebereich zu kompensieren, will Stamm zunächst zu weitaus weniger radikalen Mitteln greifen: “Wir werden künftig weniger Ausstellungen machen.”

Zwar hat sich das Thema Studiengebühren vorerst wieder erledigt, aber das jüngste Urteil des Bundesverfassungsgerichts dürfte trotzdem wegweisenden Charakter haben: Wie die taz berichtet, dürfen demnach “Studiengebühren ‘nicht prohibitiv wirken’ und müssen ‘sozialverträglich gestaltet’ sein”. Die schlechte Nachricht: 500 Euro pro Semester werden als sozialverträglich betrachtet. Die gute Nachricht zumindest für alle, die in Bremen studieren, aber nicht unbedingt dort wohnen wollen: Die Extrawurstregelung des Landes Bremen, die auswärtige Studierende benachteiligt und gegen die unter anderem ein Oldenburger Student geklagt hatte, wurde gekippt. Und die allerbeste Nachricht bleibt ohnehin, dass diese Entscheidungen derzeit ja ohnehin eher theoretischer Natur sind.

Schon etwas älter, aber trotzdem verlinkenswert: Das ZDF-Magazin Frontal21 berichtet über die Bemühungen von Wirtschaftslobbyisten, über Schulmaterialien und Veranstaltungen Einfluss auf die Meinungsbildung von Schülern zu nehmen. Und kein solcher Bericht kommt ohne das Oldenburger Institut für ökonomische Bildung aus, das nicht nur seit Jahren die Einführung eines eigenen Schulfachs Wirtschaft fordert, sondern – bis es soweit ist – auch auf anderen Wegen versucht, seine Botschaften in den Klassenzimmern unterzubringen.

Der VfB Oldenburg habe seinem Spieler Sebastian Ferrulli eine “Absage erteilt”, überschreibt die NWZ einen Artikel über den Regionalligisten: Der Verein plane nicht länger mit dem Stürmer. Aber auch hier hätte in rhetorischer Hinsicht der Ball durchaus flacher gehalten werden können: Der lange verletzte und noch nicht wieder zu alter Form aufgelaufene Ferrulli werde vorerst bei der zweiten Mannschaft in der Landesliga eingesetzt, zitiert das Blatt Trainer Alexander Nouri: “Der Weg für Ferrulli über die Zweite sei für Nouri keine Degradierung, ‘sondern die beste Möglichkeit, sich über Spielpraxis wieder an die Erste heranzukämpfen’. Das habe das Beispiel Christian Thölking in der jüngsten Vergangenheit gezeigt.” Klingt, als werde mittelfristig doch mit dem 29-Jährigen geplant.

Definitiv ohne einen Stammspieler planen müssen die EWE-Baskets an diesem Mittwochabend im dritten Halbfinalspiel gegen Ulm: Flügelspieler Ronnie Burrell ist nach seinem Foul im vorangegangenen Spiel gesperrt, für ihn wird Mustafa Abdul-Hamid auflaufen. Aber auch die Ulmer müssen einen Ausfall kompensieren – Nationalspieler Per Günther falle verletzungsbedingt für den Rest der Serie aus, berichtet unter anderem die Frankfurter Rundschau via dpa. Beginn ist um 20.15 Uhr, Sport1 überträgt live.

(mno)

Montags bis freitags erscheinen hier morgens um zehn Uhr ausgewählte Links auf Berichte und Geschichten aus Oldenburg, die wir in anderen Medien gefunden haben. Die Erstellung der Pressschau übernimmt wochenweise je ein Redaktionsmitglied des Oldenburger Lokalteils. Hinweise gerne bis neun Uhr morgens an: redaktion@oldenburger-lokalteil.de

Mon­tags bis frei­tags um 10 Uhr: die Presseschau im Lokalteil

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15 Kommentare

  • Dass diejenigen, die dafür bezahlt werden, Lobenswertes über Oldenburg zu sagen, das auch tun, verwundert mich nicht. Ich habe da eine ganz andere Wahrnehnehmung. Die wird deutlich, wenn ich Oldenburg mit Ostfriesland vergleiche: Dort stehen Lutheraner gegen Calvinisten, Marschbauer gegen Geestbewohner und Emden schießlich gegen den Rest der Welt und daraus ergibt sich eine Liberalität, die ich hier in Oldenburg vermisse. Hier diktierte bis 1848 die lutherische Kirche was man sagen und der Graf bzw. Herzog, was man tun durfte, und diese Instanzen wurden 1932 von der NSDAP abgelöst. Und nun gilt in Oldenburg der christlich-deutschnationale Konsens – was davon abweicht, wird geächtet. Und wie funktioniert das? Natürlich würde in Oldenburg, wenn die EWE entscheidet, die “Marktwirtschaft” gelehrt und nichts Anderes. Die Soziallehre der katholischen Kirche, genauer: des Jesuiten-Ordens, käme in diesem Unterricht nicht vor. Ja, Oldenburg ist schlicht miefig. Schon meine Mutter sagte sehr richtig: “Überall dringt Bildung durch, nur nicht bis nach Oldenburch.”

  • avatar K. Minski

    Wer sich für die Verstrickungen des IÖB aus Oldenburg interessiert, kann das hier nachlesen:
    http://www.iboeb.org/moeller_hedtke_netzwerkstudie.pdf

  • Was ist daran so schlecht, in der Schule etwas über Wirtschaft zu lernen? Sollen wir etwa alle dumm bleiben und uns weiter über den Tisch ziehen lassen? Wenn keiner Ahnung von Wirtschaft hat, kann man uns auch weiterhin Banken als “systemrelevant” verkaufen. Ich bin sehr für einen Wirtschaftsunterricht, aber einen vernünftigen.

    • avatar medienfloh

      Da bin ich voll und ganz bei Ihnen!

      Die Brisanz in dem vorliegenden Fall liegt darin, daß es doch unsachliche Meinungsmache ist. Und wenn man bedenkt, daß es den SchülerInnen als “Wissen” dargeboten wird, dann ist das auch ziemlich schamlos. So etwas gehört in den Deutsch-Unterricht, wenn Rhethorik und Textanalyse angesagt sind.

      Im aktuellen Kundenmagazin der EWE wird das IÖB dann auch als völlig unabhängig dargestellt (was offenbar nicht stimmt), soll der Argumentationslinie der Energiewirtschaft Seriosität verleihen, und man schmückt sich, wieviel man in die Schulen gegangen ist (um seine Themen zu setzen und darzustellen), um dann Energie als Schulfach zu fordern.

      Nach Wirtschaft und Informatik (Stichwort “facebook”) sollen unsere Kinder nun auch Energie als Pflichtfach bekommen.

      Ich spreche überhaupt nicht für oder gegen jemanden oder etwas. Nichts ist per se gut oder schlecht. Aber ich denke, Schule sollte Schule machen, und Wirtschaft sollte Wirtschaft machen. Da muss es klare Grenzen geben, um das Vertrauensverhältnis zwischen SchülerInnen und Schule nicht zu gefährden.

    • Natürlich ist das nicht per se schlecht. Aber haben Sie den ZDF-Beitrag gesehen? Man darf wohl davon ausgehen, daß es diesen Leuten nicht um “vernünftigen” Wirtschaftsunterricht geht. Oder glauben Sie, daß den Schülern beigebracht werden soll, wie an der Börse mit Hunger und Krieg spekuliert wird?

      • Ja, den ZDF-Beitrag hab ich gesehen. Was meinen Sie mit “diesen Leuten”?

        Nein, ich glaube nicht, dass uns beigebracht werden soll, wie an der Börse mit Hunger und Krieg spekuliert wird. An den Börsen wird auch nicht mit Hunger und Krieg spekuliert. Es wird mit Nahrungsmitteln spekuliert. Hunger und Krieg werden dabei in Kauf genommen. Da Spekulanten meist keinen Hunger leiden, können sie das leicht aus ihrem Gewissen streichen. Und da wir hier auch keinen Hunger leiden, stellen wir ihnen weiterhin die Millarden zum Spekulieren zur Verfügung. Weil wir auch Zinsen haben wollen. Weil es uns einen Scheißdreck interessiert, ob woanders die Kinder krepieren. Wir alle sind es doch, die den Spekulanten das Geld in den Rachen werfen. Jeder, der ein Konto bei der Deutschen Bank hat. Oder eine private Rentenversicherung. Also hört endlich auf mit Eurer Doppelmoral.

        WIR sind genauso “diese Leute”!

  • avatar medienfloh

    zu Wirtschaftslektüre im Klassenzimmer:

    “Der Unternehmer ist Unternehmer, weil er etwas unternimmt. Der Arbeiter ist Arbeiter, weil er arbeitet. Würde der Arbeiter etwas unternehmen, müsste der Unternehmer arbeiten.” (Floh de Cologne)

    http://youtu.be/0iLTtVgXhbY?t=1m47s

    • Wenn Menschen etwas gemeinsam unternehmen ist das ein Kollektiv. Wenn sie etwas herstellen/verkaufen ein Alternativbetrieb wenn sie sich vernetzen Projektanarchie, wenn Arbeiter sich frei vernetzen Anarcho/Syndikalismus
      Floh dagegen war immer etwas DKP/DGB-lastig.

      • avatar medienfloh

        *rotflol* Netter Versuch, Pu!

        DKP/DGB ist mir nicht radikal genug. Das ist doch mikrig! Ich lehne es ab, irgendwelchen Ideologien oder Anführern hinterherzulaufen. Das ist doch viel zu limitiert!!

        Das einzige was ich zulassen und sogar fordern würde, so Ich-versaut bin ich noch, ist die DIKTATUR DER KUNST! Nicht der Künstler, nein, die KUNST ist es, vor der wir alle stramm stehen sollten. Alles andere hat uns in der Geschichte doch nur ins Verderben geführt!

        • Jonathan Meese ist langweilig.

        • oh mann…doch nicht die kunst…die ist doch elitär…wenn schon dann cunts…das heisst mösen…frauen ans ruder , die können auch nichtlinear…

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