Schnipsel >
| 12. Februar 2013 12:32 | Kommentare deaktiviert für Eine Straße für Leo Trepp
Drucken

Nach dem ehemaligen Landesrabbiner Leo Trepp wird eine Straße benannt. Die Wilhelmstraße erhält im Bereich zwischen der Marienstraße und der Katharinenstraße den Namen des Ehrenbürgers der Stadt – ein entsprechender Beschlussvorschlag ist am Montag vom Verkehrsausschuss einstimmig angenommen worden. Die Umbenennung soll am 3. März in einem Festakt vorgenommen werden, einen Tag vor Trepps 100. Geburtstag. Der nördliche Teil der Wilhelmstraße, zwischen Katharinen- und Blumenstraße, behält ihren Namen.

Trepp war von 1936 bis 1938 Landesrabbiner. In der Reichspogromnacht war er verhaftet und wie andere Oldenburger Juden in das KZ Sachsenhausen gebracht worden, konnte aber durch das Einschreiten des britischen Oberrabbiners nach Großbritannien ausreisen. Später ging er in die USA, wo er unter anderem als Theologe lehrte. Nach dem Krieg setzte sich Trepp für die Versöhnung zwischen Juden und Christen ein und besuchte mehrfach seine alte Wirkungsstätte Oldenburg. 1990 wurde er zum Ehrenbürger der Stadt ernannt. Am 2. September 2010 starb er in den USA.

FOTO: mno

FOTO: mno

Die hinter dem PFL verlaufende Wilhelmstraße, deren Name laut Verwaltung ohnehin “keinen personalen oder historischen Bezug” habe, wird als die am besten geeignete Straße für die Ehrung angesehen: Zum einen sollte es, um der Bedeutung Trepps gerecht zu werden, eine zentral gelegene Straße sein; zum anderen liegt dort das jüdische Gemeindezentrum, das dadurch künftig die Adresse “Leo-Trepp-Straße” haben wird. Ein von Anwohnern ins Spiel gebrachter Alternativvorschlag, nach dem die Straße ihren Namen behalten und stattdessen die Freifläche hinter dem PFL in “Leo-Trepp-Platz” umbenannt werden sollte, wurde sowohl von der Verwaltung als auch vom Ausschuss verworfen: Zum einen habe dieser Ort keinen Platzcharakter, zum anderen liegt er ein Stück vom jüdischen Gemeindehaus entfernt. Die vom Leiter der in der Wilhelmstraße ansässigen Praxis “Team Kinderwunsch” vorgebrachten Bedenken, dass der neue Name zu Problemen mit muslimischen Patienten führen könne, wurden von mehreren Ratsmitgliedern deutlich zurückgewiesen. Zudem hätten sich die anderen Anlieger, zu denen auch die Musikschule und das Kulturzentrum “Wilhelm13” zählen, bereits für die Umbenennung ausgesprochen.

Zur Verleihung des Bundesverdienstkreuzes im Jahr 1997 führte oeins ein Interview mit Leo Trepp – nachzuhören hier.

avatar

Journalist und Mitbegründer des Lokalteils, Erfinder des Ratssitzungs-Livetickers und Politik-, Medienwatch- und Umfragebeauftragter. Austritt aus dem Redaktionsteam im September 2013.
Ähnliche Beiträge

Kommentare sind geschlossen

Neueste Artikel: