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| 18. Juni 2012 06:00 | 41 Kommentare
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Über das Filmfest wird weiter gestritten, nachdem vergangene Woche ein Vergleich zwischen Filmfest-Leiter Torsten Neumann und den Politikern Bernd Bischoff, Jutta Bohne und Sebastian Beer gescheitert war. Neumann hatte den drei vorgeworfen, mit ihren Äußerungen dem Filmfest zu schaden, und sie verklagt. Den Text des Vergleichsvorschlags des Landgerichts, den Neumann ablehnte, stellen wir hier zur Diskussion.

Filmfest-Leiter Torsten Neumann, allein. FOTO: Screenshot

Filmfest-Leiter Torsten Neumann, allein. FOTO: Screenshot

Der Streit zwischen Filmfest-Leiter Torsten Neumann und den SPD-Politikern Bernd Bischoff und Jutta Bohne sowie dem Grünen Sebastian Beer – im Folgenden BiBoBe genannt – ist längst noch nicht ausgestanden. Die 5. Zivilkammer des Landgerichts hat eine Entscheidung für den 18. Juli angekündigt. BiBoBe hatten im Zusammenhang mit der von Rot-Grün beschlossenen Kürzung der städtischen Filmfest-Zuwendung von 100.000 auf 50.000 Euro Äußerungen gemacht, durch die sich Neumann in seiner Ehre verletzt sah und Nachteile für sein Filmfest befürchtete. Es habe der Eindruck entstehen können, Neumann verpulvere Geld. Neumann hatte BiBoBe deshalb auf Unterlassung und Widerruf verklagt; bei einem ersten Termin hatte das Gericht einen Vergleichsvorschlag vorgelegt, der Neumann allerdings nicht weit genug ging, weshalb das Gericht nun ein Urteil fällen muss – und schon angekündigt hat, dass es für Neumanns Klage kaum Aussichten auf Erfolg sieht. Weil – auch im Oldenburger Lokalteil und auf unserer Facebook-Seite – weiter in dieser Sache diskutiert wird, veröffentlichen wir hier den Vergleichsvorschlag des Gerichts, dem BiBoBe zugestimmt hätten, der an Neumanns Ablehnung aber scheiterte. Damit kann erstmals auf Grundlage dieses Vergleichs über das Für und Wider von Neumanns Entscheidung debattiert werden.

“Der Kläger fühlt sich durch öffentliche Erklärungen der Beklagten in ihrer Eigenschaft als gegenwärtige Ratsherren oder ehemalige Ratsherrin in seiner Arbeit für das Internationale Oldenburger Filmfest zu Unrecht kritisiert.

Er versichert, dass er bei der Beantragung von Fördermitteln und der Abrechnung stets das vorgelegt hat, was von ihm verlangt wurde. Er sieht sich auch zu Unrecht der Kritik ausgesetzt, dass er zu maßgeblichen Persönlichkeiten ein zu enges Verhältnis im Sinne einer Vetternwirtschaft unterhalte.

Die Beklagten stellen demgegenüber klar, dass es ihnen bei der Kritik nicht um die Person des Klägers ging und auch nicht gegen das Filmfest als Institution.

Absicht der Beklagten war es, der Öffentlichkeit eine weitere Begründung dafür zu liefern, dass die Förderung von 100.000 auf 50.000 € gekürzt wurde. Die Beklagten wollten auf die enge finanzielle Situation des Oldenburger Haushalts hinweisen und dass nicht alle wünschenswerten und förderungswürdigen Projekte im bisherigen Ausmaß unterstützt werden können.

Im Einzelnen erklärt die Beklagte Frau Bohne, dass es ihr darauf ankam, die erhebliche Ausweitung der Unterstützung durch die Stadt in den letzten Jahren zu verdeutlichen. Ein Vorwurf der Unredlichkeit sollte nicht erhoben werden.

Der Ratsherr Beer hat auf ein Ungleichgewicht von Einnahmen, die richtigerweise 28.000 € betragen haben, zu den Besucherzahlen hinweisen wollen. Es sollte die Anregung zur Überprüfung sein, ob nicht die geringere Förderung durch entsprechend höhere Einnahmen ausgeglichen werden könnte.

Der Ratsherr Bischoff möchte so verstanden werden, dass bei der Förderung mehr beachtet werden sollte, dass soziale Projekte vor Ort im Vergleich zu einmaligen gesellschaftlichen Glanzlichtern nicht vergessen werden sollten.

Alle drei Beklagten begrüßen die Initiative des Klägers zum positiven Ruf der Stadt Oldenburg beizutragen und erkennen seine Verdienste insoweit an.

Der Kläger akzeptiert, dass die Beklagten ihn nicht verletzten wollen.

Alle Beteiligten sind sich einige, dass die Meinungsverschiedenheiten durch die heutigen Erklärungen ausgeräumt sind.”

Als Information für den Hintergrund: Neumann störte sich insbesondere an dem Satz “Er versichert, dass er bei der Beantragung von Fördermitteln und der Abrechnung stets das vorgelegt hat, was von ihm verlangt wurde.” Dazu sagte sein Anwalt Klaus-Dieter Birkner, dass eine Selbstverständlichkeit wie die korrekte Beantragung und Abrechnung von Fördergeldern gar keiner Erwähnung bedürfe – außerdem bleibe der Eindruck bestehen, dass Neumann Geld verpulvert habe.

Ex-SPD-Ratsfrau Jutta Bohne hatte im Facebook angemerkt, der Zuschuss durch die Stadt sei in der Amtszeit des derzeitigen Oberbürgermeisters Gerd Schwandner von 5.000 auf 100.000 Euro gestiegen, was wohl nicht ganz der Wahrheit entspricht. Neumann wehrte sich dagegen, ein zu enges Verhältnis zum Oberbürgermeister habe ihm beim Anstieg der städtischen Fördersumme geholfen.

Sebastian Beer, Fraktionssprecher der Grünen, hatte angeregt, den geringeren städtischen Zuschuss durch höhere Eintrittspreise auszugleichen. Etwas könne nicht stimmen, wenn 15.000 Besuchern nur 23.000 Euro aus dem Kartenverkauf gegenüber stünden – tatsächlich liegen die Einnahmen bei 28.000 Euro.

SPD-Ratsherr Bernd Bischoff hatte angesichts der finanziellen Lage der Stadt gesagt: „Wenn wir in Oldenburg Schwierigkeiten haben, soziale Projekte zu fördern, aber 100.000 Euro ausgeben sollen, damit Prominente aus New York eingeflogen werden, müssen wir uns fragen, wofür wir stehen.“

Nach Angaben von SPD-Fraktionschef Bernd Bischoff sei ein außergerichtlicher Einigungsversuch zuvor ebenfalls an Neumann gescheitert, der allerdings bestreitet, dass es einen solchen Versuch gegeben habe.

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Machte seine ersten journalistischen Erfahrungen bei der Nordwest-Zeitung, aber das ist lange her. Lebt seit 2005 wieder in Oldenburg. Für die taz berichtete er über Oldenburg und den Nordwesten, schreibt ansonsten für überregionale Magazine und ist an der Oldenburger Uni Lehrbeauftragter für „Journalistisches Schreiben“. Ist momentan bei der sonntaz, der Wochenendbeilage der taz.
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41 Kommentare

  • Es ist schon seltsam. Da beteuern die Politiker um die es hier geht, dass sie “nur helfen” wollten, aber hier sieht man ja, was durch die Hilfe für eine Atmosphäre entstanden ist. Da sollen Unternehmer sich für ihre Unternehmenspraxis rechtfertigen und Zahlen bis ins letzte Detail offenlegen und werden dann immer wieder angegiftet, wenn sie der Oldenburger Inquisition nicht Folge leisten wollen.

    Auf der anderen Seite dürfen Ratsherren nonchalant 23.000 und 28.000 und fünf- mit vierstelligen Beträgen verwechseln (versuchen sie damit mal beim Finanzamt durchzukommen Herr Beer, dann sehen sie wie ernst der deutsche Staat so “kleinen Versehen” nimmt) und irgendwie stimmt es schon, dass hier durch diese Äußerungen das Filmfest in ein ganz schlechtes Licht gerückt wurde – aber offenbar interessiert das die Gerichte nicht.

    Ich bin nun wahrlich nicht die fleissigste Filmfestgängerin mit meinen sechs oder sieben Filmen in den letzten zehn Jahren – aber ich könnte es gut verstehen, wenn ich für dieses Vergnügen in Zukunft nach Bremen oder sonstwohin fahren müsste.

  • Dass man Massenkultur nicht subventionieren muss, ist klar. Aber auch in Oldenburg sind nicht alle so “satt und zufrieden”, wie Bangemacher meint, dass die Stadt es sich leisten sollte, mal eben 100.000 Euro für Indie-Film-Subvention aufzuwenden, ohne nachzufragen, wieviele Oldenburger überhaupt ein Interesse daran haben und das fraglos qualitätsvolle Film-Angebot dann auch tatsächlch nutzen.

    Wenn nur 3.733 Karten verkauft sein sollten, heißt das ja nicht, dass das Festival deswegen eingestampft werden muß. Aber ein Bild über die Verhältnismäßigkeit der Mittel sollte man sich schon machen können, auch in Abwägung mit anderen Kürzungsmaßnahmen.

  • avatar Jean D'arc

    Aus http://www.oldenburg.de/stadtol/index.php?id=9027

    Stadt fehlen im kommenden Jahr voraussichtlich 19 Millionen Euro

    Der von der Verwaltung vorgelegte Entwurf für den städtischen Haushalt 2012 weist für 2012 im Ergebnishaushalt einen Fehlbetrag in Höhe von rund 19 Millionen Euro aus

    Oberbürgermeister Gerd Schwandner zum Haushaltsentwurf

    „Ein dauerhaft ausgeglichener Haushalt wäre Voraussetzung sowohl für eine Gerechtigkeit gegenüber künftigen Generationen, als auch für die langfristige Handlungsfähigkeit unserer Stadt. Diese ist in vielen Städten Deutschlands auf Dauer gefährdet, wenn immer mehr soziale Aufgaben vom Bund ohne ausreichende Gegenfinanzierung an die Kommunen übertragen werden. Mit der Planung für die Jahre 2012 bis 2015 unternehmen wir deshalb einen Spagat, indem wir massiv in die Bildung und Zukunft unserer Kinder investieren, etwa durch den Neubau der BBS III, den Neu- oder Ausbau von Schulmensen und das Konzept der Kooperativen Ganztagsbildung. Zugleich fahren wir die Verschuldung bei den Liquiditätskrediten zurück.

    Dennoch wird das auf Dauer nicht reichen. Wir stehen mit den Haushaltsberatungen 2012 und der mittelfristigen Finanzplanung vor der entscheidenden Frage, ob wir nach der Rasenmähermethode kürzen wollen, ohne damit entscheidende Unterhaltungskosten zu erfassen. Oder ob wir gemeinsam da ansetzen, wo auf Dauer substanziell Geld zu sparen ist, anstatt uns viele kleinere Scharmützel etwa im kulturellen Bereich zu liefern.“

  • avatar Jean D'arc

    Aus dem Haushaltsentwurf für 2012:

    Teilergebnishaushalt THH06: Kultur, Museen, Sport
    Produkt: Kultur- u. Künstlerförderung (P10.281002)
    Leistung: Institutionelle Förderung (P10.281002.002)
    Amt für Kultur und Sport

    Zuweisungen, Zuschüsse:
    Oldenburgisches Staatstheater: 5.595.000 EUR
    Zuschuss theater wrede+, 29.700 EUR,
    Zuschuss Theater Laboratorium, 28.500 EUR,
    Zuschuss theaterhof/19, 42.800 EUR,
    Zuschuss Blasorchester, 1.500 EUR,
    Zuschuss Trägerverein Musik und Literatur für Oldenburg e.V., 11.900 EUR,
    Zuschuss Volkshochschule, 685.400 EUR,
    Zuschuss Arbeit und Leben, 12.300 EUR,
    Zuschuss für Kunstschule Klex, 114.200 EUR,
    Zuschuss für Werkschule, 91.300 EUR,
    Mietzuschuss für BBK für Peterstraße 1, 7.200 EUR,
    Zuschuss an Oldenburg eins, 29.000 EUR,
    Zuschuss okv, 9.500 EUR,
    Zuschuss an Werkstattfilm, 14.500 EUR
    Zuschuss an Blauschimmel, 14.800 EUR,
    Zuschuss Medienbüro, 26.300 EUR,
    Zuschuss ibis, 14.900 EUR,
    Zuschuss Filmfest, 50.000 EUR,
    Augusteum, 155.000 EUR,
    Zuschuss Kulturetage, 232.700 EUR,
    Zuschuss Oh ton, 10.000 EUR
    Zuschuss Klangpol, 25.000 EUR
    Zuschuss Jugendkulturarbeit (MUT), 35.000 EUR,
    Zuschuss Int. Jugendprojektehaus, 15.000 EUR

    Die Zuweisungen an das Oldenburgische Staatstheater sind nicht Bestandteil der Deckungsfähigkeit
    im Teilhaushalt.

  • avatar bangemacher

    es ist irgendwie seltsam, wenn sich hier ein torsten neumann aus freiem willen erklärt und wirklich jede frage ausführlichst (!) beantwortet, und dann penibelst auf herausgabe der zurecht geheim gehaltenen “genauen” zahl beharrt wird. wie auch schon vorher gesagt: kann sich nach den aussagen doch jeder im kopf zusammenrechnen.

    diese ständigen zahlen…wenn die erwartung der oldenburger (durch die nwz unterstützt) ist, das hier stars aufkreuzen und das große hollywoodkino kommt, dann wären die nachfragen hier vielleicht einigermaßen berechtigt – und das filmfest wohl auch nicht auf förderung angwiesen. aber bei einem festival, wo verdiente oder hoffnungsvolle indiefilmemacher aufkreuzen, in einer stadt, die satt und zufrieden, zumindest nicht übermäßig gesellschafts- oder sonstwie kritisch ist (mal abgesehen von der hecke des nachbarn), kann ich mir auch nicht vorstellen, dass ein solches festival ohne vernünftige förderung existieren könnte. zumal die strahlkraft (zumindest für die genre-fans) nach aussen hier wohl fast größer ist, als innerhalb der stadt. peinlich, wenn ein matthew modine in der ewe arena buh-rufe erntet, wenn er nach seinem kurzfilm als vorfilm des hauptfilms eine kurze rede auf englisch hält. das filmfest braucht die hollywood-erwartungshaltung der nwz und der sponsoren…aber die zuschauer haben da an mancher stelle nichts begriffen. zumindest in meiner subjektiven wahrnehmung in den letzten jahren.

    ich für meinen teil freue mich gerade, dass es der lokalteil ermöglicht, eine solche transparenz zu schaffen! abseits der nwz oder irgendwelcher gremien…das ist doch mal direkt. respekt für herrn neumann an dieser stelle, verbunden mit der hoffnung, dass sich die beteiligten politiker und er in einer art einigen, die größeren schaden abwendet.

  • x * y * 7,5 = 23000

    Nimmt man x = 15000 an, dann muss y = 0,2 gelten (abgerundet), in Prozent ausgedrückt also 20%. Erscheint der Wert für y unrealistisch, könnte eventuell die Annahme für x falsch sein.

  • avatar Windieh Puh

    Ach, und @Astrid: Du weißt jedenfalls, wie man sich einen Filmfestveranstalter zum Feind macht, indem man ihn immer und immer wieder mit nöligem Nachbohren zu Details und aggressiver Einforderung von Zahlen, die er – das ist doch mittlerweile mehr als deutlich geworden – aus unternehmerischen Gründen nicht nennen will, derart anpisst. Neumanns letzte Reaktion ist sicher alles andere als glücklich, aber irgendwann ist doch auch mal gut.

    Nimm doch einfach die allseits bekannten Zahlen, rechne sie Pi mal Daumen durch und leite aus dem Ergebnis die sicher nicht gewagte Schlußfolgerung ab, dass der größere Teil der Zuschauer nicht zur zahlenden Sorte gehört. Und…?

  • avatar Lukas Spille

    Liebe Astrid,

    du stellst hier das künstlerische Niveau infrage, erklärst Pressestimmen zu “PR-Enten”, verlangst Auskünfte über unternehmerische Daten, die du vermutlich sonst nirgendwo erfragen würdest, sprichst von “unterstem Niveau” und erbittest Klartext. Nun sprich den doch auch mal selbst: Was willst Du eigentlich? Und was willst du (gerade als Juristin, wenn’s denn stimmt) damit beweisen?

  • avatar Windieh Puh

    Juhu, eine “Was darf Kultur kosten”-Diskussion! Lange nicht mehr gehabt.

    Ich finde auch, dass sich die Höhe der öffentlichen Fördermittel für Kulturveranstaltungen unbedingt an der Zahl der zahlenden Zuschauer bemessen sollte. Wer will schon ein Bildhauersymposion sehen? Ladet von dem Geld doch lieber Bohlen ein, damit der in der Weser-Ems-Halle eine DSDS-Sendung macht! Da zahlen die Leute irre Eintrittspreise für! Macht das Edith-Ruß-Haus dicht, den Videokram versteht doch eh niemand – und gebt das Geld lieber dem Staatstheater, dem ärmlich vor sich hin darbenden, auf dass es für das zahlende Bildungsbürgertum güld’ne Kleiderbügel anschaffen möge. Und stampft bloß endlich das Filmfest ein – baut dafür lieber ein städtisches Kino, in dem dann rund um die Uhr Filme wie “Sieben Zwerge” oder “2Fast” laufen können! DAS wollen die Leute sehen!

    Meine Güte…

  • Kompliment, Herr Neumann, das ist jetzt aber unterstes Niveau! Sie wissen wirklich, wie man sich Freunde des Filmfests zu Feinden macht!

  • meine Güte, Astrid – wenn du im September in der JVA Oldenburg, bzw. im Frauengefängnis in Vechta einsitzt, dann werden wir dich mit Freude an dem einzigartigen Vergnügen mit Freikarte am Filmfest teilzunehmen, teilhaben lassen (wenn Du Dich gut führst!). Das ist eine beträchtliche Anzahl an Menschen, denen wir ohne “Gegenleistung” etwas geben…Alle anderen aus diesem erlauchten Kreise haben mit weit mehr als 7,50 Euro Einsatz dabei geholfen, das Festival überhaupt durchzuführen. Da Du Dich ja an anderer Stelle schon als Juristin geoutet hast, weißt Du sicherlich, wie man auf diese Art endlich zur Festivalfreikarte kommt.

  • wird beim Staatstheater die Subvention von der Anzahl der zahlenden Zuschauer abhängig gemacht? Und, Achtung: ich bin als Unternehmer aktiv, der subventioniert wird, nicht in irgendeiner Form durch einen öffentlichen Träger abgesichert. Der Unterschied ist dieser: das Festival DARF dank der Subventionierung keine Gewinne erwirtschaften (damit würde Förderung zurück gezahlt werden müssen), bei Unterdeckung wird die öffentliche Hand aber NICHT einspringen – da stehe ich für gerade. Und darum bin ich in Sachen Finanzierung auch einzig und allein meinen Förderern und Sponsoren gegenüber in irgendeiner Auskunftspflicht – und die erhalten diesbezüglich Einblicke, die Du, Stephan einfach mal nicht für Dich in Anspruch nehmen kannst – und darum werde ich sie Dir auch bei der freundlichsten, interessiertesten Debatte nicht zur Verfügung stellen. Du erhälst für 7,50 Euro Gelegenheit, einen Gegenwert in Form eines Films zu geniessen… und wenn Du deinen nächsten Festivalbesuch davon abhängig machen willst, wissen zu müssen, wieviel Leute ausser Dir Eintritt bezahlen, anstatt einfach nur einen Film zu schauen, dann musst Du dich mit einen Taschenrechner an die Türen stellen und irgendiwe Statistiken erheben. Wir lassen Euch gerne wissen, dass wir etwa 15.000 Besucher beim Filmfest 2011 gezählt haben, ich erkläre auch total gerne, warum sich das nicht nur aus zahlendem Publikum zusammensetzt, aber dieses Herumreiten auf einer Transparenz, für die es überhaupt keinen weiterführenden Anlass gibt, ist mir ehrlich zu doof…und nur darum vermelde ich das nicht! Und wenn Du daraus den Schluß ziehst, das wir etwas zu verheimlichen haben – dann hat Sebastian Beer mit seinen Äußerungen ja genau das erreicht, was jetzt ein Gericht entscheiden muss – er hat dem Festival in der Öffentlichkeit Schaden zugefügt, in Form von Misstrauen gegenüber einer Sache, die schlichtweg keinerlei Relevanz hat. Und da Du ja ohnehin an die unbefleckte Empfängnis glaubst, brauche ich in Deinem Fall ja noch nichtmal um der Religion willen hier weitere Aufklärungsarbeit leisten!

  • Stephan: So ist es, und genau darauf zielte meine Frage, um deren Beantwortung sich Herr Neumann vielwortig herumdrückt. Immerhin wissen wir jetzt, dass weniger als ein Drittel der Filmfestbesucher Eintritt zahlen. Mit der Akzeptanz beim Oldenburger Publikum ist es also längst nicht so weit her, wie man uns weismachen möchte. Zwei Drittel sind Honoratioren, irgendwie Beteilgte, Journalsiten und so genannte VIPs. Der zahlende Zuschauer, der sich für Film interessiert, ist der Dumme. Ich werde beim nächsten Mal nicht mehr hingehen – es sei denn, ich bekomme eine Freikarte wie die Zweidrittelmehrheit auch.

  • avatar Lukas Spille

    Bei allem Verständnis und auch angesichts der Tatsache, dass das Filmfest sicher in keinerlei Bringschuld ist: Das ist sicher alles richtig, Torsten, was du da schreibst. Aber das hätte man auch in fünf Zeilen sagen können. So ist es leider ein ziemliches Drumrumgelaber. Wenn du die Eintrittszahlerzahlen nicht offen legen willst oder kannst, dann sag das doch einfach. Beim VfB fragt auch niemand, wieviele der 1500 Besucher tatsächlich ein Ticket erworben haben.

  • Also, wenn dieser Wortschwall von Thorsten Neumann keine Mauer des Schweigens zu der völlig legitimen Frage nach der Zahl der zahlenden Zuschauer ist, dann glaube ich auch an die Unbefleckte Empfängnis (was ich aber eigentlich sowieso tue).

    Bei einer derartigen Subventionierung durch die Stadt wird man doch noch erfahren dürfen, wie viele Oldenburger das Filmfest so attraktiv finden, dass sie bereit sind, Eintritt dafür zu zahlen (wie es z.B. auch für das Staatstheater gilt, wo man dieselbe Frage nach der Verhältnismäßigkeit stellen kann).

  • Liebe Nadja, liebe Astrid – es ist schön zu hören, dass ihr beide zu unseren zahlenden Zuschauern gehört. Ohne euch (und viele andere, die es euch gleich tun!) gibt es in der Tat keinerlei Rechtfertigung für uns, so ein Filmfestival zu veranstalten. Denn wir müssen auch den anderen Blickwinkel bedienen – wenn wir neue Filme einladen, sich hier zu präsentieren, dann sollten diese eben auch von Menschen gesehen werden – an einem Ort, an dem daran kein Interesse besteht, dürften wir das nicht tun. Und im besten Fall besteht das Publikum aus einer Mischung aus Branchenteilnehmern, Presse und zahlenden Filmfreunden, denn so ein neuer Film muss sich unter mehreren Aspekten präsentieren – am besten passiert so was: das Publikum liebt den Film, jubelt, lacht oder zeigt sonstige Gefühlsregungen, die Presse schreibt Lobeshymnen und die Branche erlebt das und kauft den Film, hilft bei weiterer Auswertung. Wenn also nicht nur zahlende Menschen im Kino sitzen, dann machen wir was richtig! Und wenn unter den nicht Zahlenden bei so einer Vorstellung auch noch ein paar unserer Sponsoren sitzen, die danach noch glücklicher sind, uns zu fördern, dann ist das auch sehr gut – für uns, für Euch und für die Filme, die solche Plattformen brauchen, weil sie sonst vom Mainstream an den Rand der Wahrnehmung gedrängt werden! Wenn sich da dann noch ein paar ehemalige oder aktuelle Ratsmitglieder einfinden, die aus politischer Korrektheit ihr Ticket selber bezahlen und so miterleben, wie sich das Publikum freut und die Presse freut und die Branchenvertreter freuen und der Filmemacher freut (der von uns eingeladen wurde, so einer wichtigen Vorführung seines „Babys“ beiwohnen zu können, damit das Publikum erfreut, die Presse erfreut, weil er denen noch ein Interview geben kann, was dann ausgestrahlt oder gedruckt neues Publikum anlockt und erfreut, was wiederum den Filmemacher , das Festival, dessen Sponsoren, sogar dessen Förderer wie die Stadt Oldenburg erfreut, selbst wenn dieser Filmemacher aus New York angereist ist) … ja… dann frage ich mich, liebe Astrid, worauf willst Du eigentlich hinaus, mit Deinen Fragen an mich? Was willst Du beweisen und warum?
    Die einzige Frage, der wir uns also immer wieder stellen müssen, ist, wie können wir ein Programm auf die Beine stellen, das eine Qualität herstellt, die Euch – das Publikum – inspiriert, diese Filme zu schauen, und gleichzeitig alle anderen oben beschriebenen Leute, die ohne zu zahlen im Kino sitzen, ebenso inspiriert. Wenn das gelingt, können wir ein ambitioniertes Festival am Leben erhalten.
    Miesmacherei, wie es jetzt gerade drei Menschen, die sich leider eben auch in einer exponierten Position befinden, aus der heraus man ziemlichen Schaden anrichten kann – ob das nun aus Unwissenheit oder Kalkül geschieht ist fast egal, müsste für JEDEN kulturinteressierten Menschen in Oldenburg ein Affront sein. Denn Kultur ist unser Lebensraum, das kann man nicht mit irgendeiner halsbrecherischen Diskussion um die Erhöhung der Einrittseinnahmen zerquatschen. Die Politik müsste hier eigentlich genau anders herum argumentieren und sagen, „ja, wir müssen das höher fördern, denn diese Filme brauchen mehr Publikum und das Publikum darf für diese Kultur nicht mehr, sondern muss eher weniger zahlen.“ Sebastian Beer hat an anderer Stelle – bei der wichtigen Förderung für das Cine K – übrigens genauso argumentiert. Wie dem auch sei: die finanzielle Verantwortung trage ich allein, das kann ich auch und mache das seit 19 Jahren – zur Absicherung der wirtschaftlichen Verwendung der Mittel wird das ganze alljährlich von Price Waterhouse Coopers sehr genau geprüft.
    Und das Sebastian Beer uns mit seiner Feststellung, „da könne doch etwas nicht stimmen“, eigentlich doch nur helfen wollte, mit Verlaub – das kannst Du meiner Großmutter erzählen. Das wäre, wenn ich seine Haltung zum Festival aus den letzten zwei Jahren mal als Kontext zugrunde lege, so wahrscheinlich, wie die unbefleckte Empfängnis. Interessant bei dieser Überlegung ist auch, warum er diese „Hilfestellung“ in seiner Funktion als Kulturausschussmitglied nicht an uns direkt richtet, sondern einfach mal der Zeitung gegenüber formuliert … und sich bei dieser „Hilfestellung“ auf ein Zahlenwerk bezieht, das es weder in den Einzelteilen, noch in dieser Relation überhaupt gibt… und wie blöd, das bei diesem Irrtum ausgerechnet alles noch „blöder“ für den unbedarften Betrachter aussieht.
    Da, liebe Astrid, kannst Du ja mal deine Definition von „Geschmäckle“ dran überprüfen und hier zur Diskussion mit den Filmfreunden stellen. Dann nehme ich mir inzwischen mal wieder ein kleine Auszeit, um das nächste Festival weiter vorzubereiten – und schaue dann wieder hier vorbei… denn, denen, die sich hier für das Festival interessieren, möchte ich wirklich gerne immer mal wieder ein paar Gedanken anbieten. Auch solche, die daran erinnern, das wir als Filmfest Oldenburg eigentlich nicht im Erklärungszwang sind (danke für Deine Worte der Vernunft, Lukas Spille!), wir müssen Euch eigentlich nur weiter inspirieren, Kultur für so etwas wie Lebensqualität zu halten oder zu entdecken.

  • avatar Lukas Spille

    Ich kenne die Verhältnisse da auch nicht. Aber wenn jemand nach 19 Stunden noch nicht auf eine solche Frage geantwortet hat, kann man m.E. nicht von “mauern” sprechen. Offensichtlich hatte er gestern und vorgestern eine Menge Zeit für solche Postings, heute vielleicht nicht. Irgendwann muss der Mann ja auch mal arbeiten …

  • Lukas und Nadja: “Schuldig” war keine glückliche Formulierung, das stimmt. Sorry. Aber ich finde es wichtig zu erfahren, wie viele Besucher des Filmfestes “Zahlende” sind. Das sieht Nadja offenbar auch so. Und wenn Herr Neumann, der sonst erfreulich offen argumentiert, bei dieser Frage mauert, dann stimmt etwas nicht. Oder Nadjas Rechnung stimmt, und das hieße, dass mehr als zwei Drittel der Besucher freien Eintritt genießen.

  • @Lukas
    Dem schließe ich mich voll und ganz an!

  • avatar Lukas Spille

    Entschuldigung, hier ist sicher überhaupt niemand jemandem etwas schuldig. Ich finde es eh schon erstaunlich, wie offen hier Torsten Neumann über seine Geschäfte berichtet – aber ein Anrecht darauf haben Sie ganz bestimmt nicht.

  • Sehr geeehrter Herr Neumann,
    Sie sind Nadja und mir noch die Antwort auf die wirklich wichtige Frage schuldig, wie viele Besucher des Filmfestes Eintritt zahlen müssen. Ist das wirklich nur eine Minderheit? Wird die Mehzahl der Tickets also einfach verschenkt? Das ist ein ganz wichtiger Punkt in der Debatte, den Sie unbedingt klären müssen. Sonst wird aus dem Geschmäckle ein übler Geschmack.

  • Hallo Thorsten,

    vielen Dank für Deine Antwort.

    Es ist vollkommen einleuchtend, dass es bei einem solchen Festival auch eine große Anzahl von Besuchern gibt, die als Beteiligte oder als Gast anwesend sind, und die somit keine Eintrittskarte kaufen müssen.

    Und ich teile Deine Einschätzung, dass ein moderater Eintrittspreis eher dazu einlädt, sich auch mal auf “kleinere”, unbekannte Filme einzulassen, weswegen es sinnvoll ist, den Ticketpreis trotz aller anfallenden Kosten möglichst niedrig zu halten. Dass von diesen 7,50 € noch Gebühren und andere Kosten beglichen werden müssen ist völlig klar. Aber so wie ich es mitbekommen habe, hat ja auch keiner von 28.000 Euro Gewinn, sondern lediglich von Einnahmen gesprochen.

    Nichtsdestotrotz stimme ich Astrid zu – es entsteht der Eindruck, als seien die zahlenden Zuschauer eine deutliche Minderheit. Auch, wenn man berücksichtigt, dass hier anscheinend Zahlen aus den Jahren 2011 und 2012 miteinander vermischt werden.
    Du schreibst, dass Du für 2012 vorsichtig mit 28.000 Euro Einnahmen kalkulierst. 28.000 Euro geteilt durch 7,50 Euro ergibt ungefähr 3733 zahlende Zuschauer. Ich weiß ja nicht, mit wie vielen Gästen Du insgesamt rechnest. Aber selbst wenn man in diesem Jahr mit nur 10.000 Gästen rechnen würde (vermutlich werden es mehr sein, oder?), würde das bedeuten, dass nicht einmal die Hälfte der Zuschauer eine Eintrittskarte kauft.

    Das Oldenburger Filmfest ist klasse, und ich finde es sehr bedauerlich, dass die öffentlichen Mittel so weit gekürzt wurden. Und darüber, ob die von Herrn Beer gewählte Formulierung “da stimmt doch etwas nicht” in diesem Zusammenhang glücklich gewählt ist, kann man sicherlich streiten. Ich kann es nachvollziehen, dass Du befürchtest, hierdurch entstünde der Eindruck von Schummelei. Bei mir persönlich ist dieser Eindruck nicht entstanden. Sehr wohl aber der von einem unausgewogenen Verhältnis von zahlenden zu nicht zahlenden Zuschauern, und ich halte es für legitim, dieses Verhältnis angesichts leerer Kassen einmal kritisch zu hinterfragen.

  • ja, hallo, Herr Neumann,
    da hätte ich auch noch eine Frage zu: Wie viele der 15000 Besucher haben denn eigentlich den vollen Eintrittspreis bezahlt? Klingt ja bei Ihnen so, als wär das eine Minderheit (zu der ich auch gehöre).

  • Liebe Nadja,
    das mache ich sehr gerne:
    1) diese beiden Zahlen haben einfach mal gar nichts miteinander tun – darum stehen sie nicht in Relation zueinander! 28.000 sind kalkulierte nettoeinnahmen für 2012 – ich hoffe, die werden etwas höher liegen, aber man soll ja nicht unbedingt den best case als minimalziel setzen.
    die 15.000 besucher stammen vom letzten jahr, und diese zahl umfasst wie überall bei festivals mehr als “nur” zahlende zuschauer (wobei die dazugehörigen nettoeonnahmen von 2011 schon noch deutlich über den 23.000/respektive 28.000 liegen) – da sind eingeladene zuschauer wie sponsoren, ratsmitglieder, filmemacher etc. mit drin, ebenso akkreditierte branchenteilnehmer wie journalisten, filmindustrie, dauerkarten. dann sind da auch die insassen der JVA, die filme bei uns schauen dürfen (wir sind weiterhin das einzige festival auf der welt, das teile seines programms in einem knast zeigt) und so weiter und so fort.

    ein ticketpreis von 7,50 euro finde ich sehr angemessen fürs filmfest…schließlich wollen wir filmliebhaber inspirieren, sich auch filme anzuschauen, die auch mal nicht auf den ersten blick ein “den muss ich sehen” auslösen, wir wollen euch inspirieren, das kleine, unbekanntere kino zu entdecken – das macht man nicht mit preisen, die höher liegen, als “normales”, synchronisiertes, populäres kino! und in den 7,50 stecken schon mal mehrwertasteuer und die systemgebühr für das elekttronische ticketing drin… also das kann man nicht so einfach 1:1 abbilden, selbst wenn diese zahlen etwas miteinander zu tun hätten!

    wenn so etwas von einem politiker, der eben einblick in unsere zahlen und hintergründe hat, in die welt gesetzt wird – noch mit dem zusatz “da kann doch etwas nicht stimmen”, dann würde also selbst bei richtigen zahlen immer der eindruck entstehen, wie bei dir – wird da etwa geschummelt!? und dann für solche vermutungen noch komplett falsche zahlen zu nutzen – das ist leider ganz schlecht für uns! ich kann das schließlich nicht jedem oldenburger so erklären…

  • Sehr geehrter Herr Neumann,

    ich fände es schade, wenn das Oldenburger Filmfest nicht mehr stattfände, weil es nicht mehr finanziert werden kann. Aber auch ich frage mich, wie es sein kann, dass 15.000 Besuchern nur 28.000 Euro aus dem Kartenverkauf gegenüber stehen. Können Sie vielleicht einmal erklären, wie das zustande kommt?

  • Vielen Dank ‘bangemacher’, in ihrem Kommentar ist leider viel wahres aufgegriffen worden.

    Das ein Herr Dr. Rossmann bei weitem nicht die Oldenburger Persönlichkeit ist, dem es über allem anderen wichtig ist, qualitativ hochwertige Filme in Oldenburg aufzuführen, sollte hinlänglich bekannt sein. Auch ein Herr Dr. Rossmann versteht sich, egal wie Film liebend er sicher sein mag, vorrangig als Geschäftsmann, der es mehr zu verantworten hat, dass das Wallkino die Forten schloss, als es das oft als ‘böse’ hingestellte Cinemaxx hat.
    Hier nun aber die aktuellen und vergangenen Quälereien zwischen den einzelnen Oldenburger Kinos in die Öffentlichkeit zu zerren, halte ich jedoch für unangebracht, dies sollte gern mal an anderer Stelle nachgeholt werden. Hier jedoch geht es vorrangig um das Oldenburger Filmfest und dessen Zukunft.

    Ich halte das Oldenburger Filmfest für wichtig – das es sich über Jahre hinweg zu einer festen Größe im Markt der Independentfilmfeste gemausert hat, ist, liebe ‘astrid’, nun wirklich in diversen Medien nachzulesen und mit offenen Augen zu sehen. Ob das Filmfest der Stadt Oldenburg nun aber wirklich so viel nützt, dass ein Etat von 100.000 Euro gerechtfertigt ist, darf und muss aber zumindest einmal politisch betrachtet werden dürfen.
    Ob bei dieser Betrachtung der gerechtfertigte Ton gewahrt wurde oder teils mit Unterstellungen vielleicht auch zwischen den Zeilen oder hinter verschlossenen Türen argumentiert wurde, mag ich nicht zu beurteilen (ich wohnte den Gesprächen wie sicher die meisten anderen hier nicht bei) – hiermit muss sich nun leider und traurigerweise ein Gericht auseinandersetzen.

    Bei allen verhärteten Fronten, die es zu dem Thema gibt, fehlt mir allerdings die vorrangige und meines Erachtens wichtigste Diskussion, in wie weit das Festival ohne qualitativen Verlust zu erleiden, verändert werden kann, damit es sich wirtschaftlich gesehen besser trägt, als es das in den letzten Jahren tat. Eine bloße Erhöhung der Eintrittspreise ist natürlich nicht das geeignete Mittel hierfür, ich denke da sind sich die meisten einig.
    Vielleicht kann eine komplette Überarbeitung, ein komplettes Umdenken – eine revolutionierende Veränderung des Festivals genau den frischen Wind bringen, das in vielen Bereichen festgefahrene und auch teilweise in sehr chaotischen Abläufen gipfelnde Festival für viele weitere Jahre in Oldenburg erfolgreich zu beherbergen.

    Sicher kein einfacher Weg, aber durch die öffentlichen Kürzungen, die ja auch nicht nur das Festival betreffen, vielleicht der einzige langfristige Weg.

  • schwerpunkte setzt jeder – und setzt auch jeder anders. sowas kann man dann positiv wenden und profil nennen…und in seiner gesamtheit kommt dann sowas ähnliches wie vielfalt heraus – und vielfalt ist wirklich ein kostbares gut, was sich oldenburg irgendwie erhalten sollte! da gehört das filmfest ebenso wie die paar kinos, die wir hier noch haben, dazu…

  • Wer mal beim Filmfest wirklich gewesen ist, wird zum Beispiel einen wunderbaren Gänsehautabend in der Lambertikirche erlebt haben. The Way auf sauharten Holzbänken und ner Heimkinoleinwand. Trotzdem waren die Menschen begeistert, erfüllt, glücklich. Es muss nicht immer der Kinosaal sein. Auch das Staatstheater ist toll, der Knast einzigartig und die Arena riesig. Ins Casa kann man den Rest des Jahres gehen. Das ist Kino. Das Festival dagegen hat eine ganz andere Atmosphäre. Schade, dass Herr Neumann und die Herren Beer und Bischoff das gerade beerdigen. Wertangabe Ende vor Gericht siegt, interessiert dann niemand mehr.

  • avatar bangemacher

    ähm, “Seit Jahrzehnten macht er ein tolles Programm, von dem das Filmfest viel lernen könnte.”

    ja, nee, ist klar. er spult sein französisches-kino-schema ab, mit dem er dann am ende seine programmpreise bekommt. die wikrlich wichtigen cinemaxx-ergänzungen laufen doch nicht mal im casa – die blockiert er, damit die das cinemaxx nicht bekommt und zeigt sie dann selber nicht. das macht dann nur das cine-k, was halt leider nicht vielen bekannt ist…die sachen beim filmfest mögen dem casa-porgramm zwar nicht immer überlegen sein, sind aber doch zu großen teilen gehaltvoller.

  • genauso meine ich das – das war früher nicht anders. und mit allem respekt sind wir immer sehr zuvorkommend miteinander umgegangen, reden miteinander und tauschen uns aus. ein kinoprogramm und ein festivalprogramm ist halt schon noch etwas anderes – von daher weiß ich nicht recht, wie wir das als lernprozess nutzen sollten, aber ansonsten: ja, das casa ist ein sehr gut geführtes und programmiertes programmkino…auch etwas, worüber sich die filmfreunde in oldenburg freuen dürfen! also: immer hingehen und die neugier auf neue filme wach halten!

  • Hallo Herr Neumann,
    wie meinen Sie das, dass Herr Rossmann mit Ihnen “wieder zusammen” ist? Er vermietet Ihnen doch lediglich für Geld seine Vorführsäle. Seit Jahrzehnten macht er ein tolles Programm, von dem das Filmfest viel lernen könnte.

  • ja, den Beitrag habe ich zufällig neulich auch gesehen — der ist ja schon ein paare alt… und wie gesagt, inzwischen sind wir wieder zusammen.

    und was die PR-Ente angeht… glauben sie, liebe Astrid, wirklich hinter den Stadtgrenzen Oldenburgs steht eine Phantasiewelt, die man keinesfalls ernst nehmen darf? Kaufen sie sich doch einfach mal ein Exemplar dieses Festival Guides und entdecken die PR-Ente schwarz auf weiß darin… uns hat diese “Ente” schon viel geholfen, weil Filmemacher und Produktionsfirmen(außerhalb Oldenburgs) daraufhin meinten, ihre Filme bei uns einreichen zu können. Was dann manchmal zu Premieren von Filmen hier in Oldenburg geführt hat, die dann wiederum das Oldenburger Publikum erfreuten… und für manche Gäste/Filmemacher war dann eine Vorführung in unserem wunderschönen Staatstheater ebenso ein Erlebnis, wie für das Publikum – auch das hat einen guten Ruf über die Stadtgrenzen hinaus befördert… und dann gibt es bestimmt noch 100 andere kleine Dinge, die man so hinterfragt und aus denen man Entscheidungen heraus definiert – aber das müssen wir beide jetzt ja zum Glück gar nicht aufarbeiten – würde alle anderen nur langweilen. Ich wollte hier nur mal ehrliches Interesse an der Sache mit ein paar Hintergünden und Motivationen anreichern!

  • Nur mal so aus Interesse:
    Worin besteht denn genau der Qualitätsverlust des Festivals? Mir ist er nämlich bisher nicht aufgefallen. Im Casa lief zum Beispiel Anfang des Jahres die Doku “William S. Burroughs: A Man Within” von Yoni Leyser und diese Woche läuft im CinemaxX “The Way” von Emilio Estevez. Das sind zwei Filme neben vielen, die um uns herum zu finden sind und die beim Filmfest Oldenburg in den letzten Jahren gelaufen sind.

    Mir ist einfach nicht klar, was teilweise erwartet wird?
    Auf der einen Seite will man bloß kein Hollywood, aber auf der anderen Seite möchte man die Schauspieler und Regisseure alle kennen, wenn man zum Filmfest geht. Wenn dann eine Vorstellung Anklang findet, war sie kommerziell, und wenn zu wenig Zuschauer da waren, ein schlechter Film.

    Das passt doch hinten und vorne nicht zusammen und es ist ja auch immer einfacher, erstmal dagegen zu sein, als zu sagen: “Wow, ich lebe in einer Stadt, in der eines der 5 renommiertesten Filmfestivals für Independent Film seit fast 20 Jahren stattfindet.”

  • Lieber Herr Neumann,
    ich bezog mich auf das ausführliche Interview, dass Dr. Rossmann vor einiger Zeit im O 1 Fernsehen gab. Woran es auch immer gelegen haben mag, ist es doch bedenklich und auch bedauerlich, dass so eine fürs Oldenburger Kino und weit darüber hinaus bedeutende Kapazität “draußen bleiben muss” oder sich lieber raushält. Und ich finde auch, dass Rossmann grundsätzlich Recht hat mit seiner Bemerkung “Kino gehört ins Kino”. Die Auslagerung ins hoch subventionierte Theater war ein erster Schritt in die falsche Richtung.
    Und dass, bei allem Respekt, das Oldenburger Filmfest zu den bedeutendsten 5 Festivals weltweit gehören soll, ist doch wohl nur eine PR-Ente und kann nicht ernst genommen werden.

  • Liebe Astrid,
    das lässt sich leicht aufklären – wie du das Niveau einschätzt, ist natürlich allein Deinem Geschmack überlassen… wie einige Leute vom Fach das sehen, ist halt ganz anders. Da haben wir uns so nach und nach einen Ruf erworben, der sich weltweit gerade künstlerisch ziemlich gut macht… ich zitiere mal ein paar hübsche Quotes für Dich:

    “The Oldenburg Festival is often referred to as Germany’s Sundance and known for its bold selections, qirky parties and imaginative retrospectives.”
    THE HOLLYWOOD REPORTER

    “The GErman Sundance – one of the most off-beat Festivals in Europe.”
    VARIETY

    “The Oldenburg Film Festival has grown to become the premier European independent Festival, dubbed by the trades as the European Sundance.”
    NATIONAL BOARD OF REVIEW

    und dann gab es die wirklich tolle Einordnung in die Top Five der wichtigsten Filmfestivals weltweit vom einem der führenden Festival Guides – THE ULTIMATE FILM FESTIVAL GUIDE – das ist schon alles in allem wirklich ganz gut, wie wir so von den Cineasten weltweit eingeschätzt werden.

    Im aktuellen GRIP, dem Magazin des Filmhauses Frankfurt, hat der Filmkritiker Rüdiger Suchsland einen schönen Artikel über Filmfestivals in Deutschland verfasst – lesenswert zm Thema Niveau… er scheint Oldenburg für eines der besten im Lande zu halten, was die Qualität angeht: “den vielleicht interesaantesten Festival-Typus des kleineren, aber durch Eigensinn, Cinephilie und Offenheit zum Extremen markierten Filmfestivals könnte das Filmfest Oldenburg besetzen, das durch seine großartige Titelauswahl besticht…”

    ansosnten empfehle ich Dir mal auf unserer Homepage vorbei zu schauen, da sind einige Pressestimmen der letzten Jahre nach zu lesen:
    http://www.filmfest-oldenburg.de/festival/pressestimmen0/

    Zu Dr. Rossmann, den ich auch sehr schätze – mit dem wir übrigens seit zwei Jahren auch wieder kooperieren – kurz dies: er hat nie aktiv an der Programmgestaltung des Festivals teilgenommen, den von Dir ausgemachten Qualitätsverlust müsstest Du an anderen Dingen fest machen… und unser einstiges “Zerwürfnis” lag einzig und allein an einer damals anscheinend bedeutsamen Meinungsverschiedenheit, über die hin Herr Rossmann eben seine Häuser nicht mehr im Festival beteiligen mochte – inwieweit Du da wem eine Kompromissunfähigkeit zuordnen willst, sei Dir überlassen: wir hatten die Option, die Eröffnung vom Wall in das Staatstheater zu verlegen, was ich für eine sehr wichtige Weiterentwicklung für das Standing des Festivals vor Ort hielt, und was auch die zunehmenden Kapazitätsprobleme im Wall lösen konnte — Herr Rossmann vertrat und vertritt die Auffassung, Kino gehöre ins Kino und wollte sich also so einer Auslagerung des großen Eröffnungsabends in aller Konsequenz nicht anschließen… das haben wir dann beide gegenseitig respektiert – für das Filmfest war letztlich die Entscheidung für das Staatstheater einer der wichtgsten Schritte, um es hier in der städtischen Kultur nachhaltig zu verankern. Und die Vorführungen im Staatstheater sind für alle, die mal da waren, immer sehr beeindruckende Erlebnisse gewesen.

  • Alle Beteiligten sollten erst einmal abwarten, wie das Gericht entscheidet und wie das Urteil begründet sein wird.
    Viel zu kurz gekommen ist in der ganzen Diskussion die Frage nach dem künstlerischen Niveau des Filmfestes. Ich persönlich halte es inzwischen für eher schwach und provinziell. In den ersten Jahren ging es ja noch viel versprechend los. Vielleicht lag das daran, dass damals noch Dr. Rossmann vom Casablanca-Kino beteiligt war, der sehr viel von Film versteht und international gut vernetzt ist. Wenn ich es recht verstehe, ist es auch zwischen Rossmann und Neumann wegen Neumanns Kompromissunfähigkeit zu einem Zerwürfnis gekommen. Darunter hat dann das Niveau des Festes sehr gelitten. Schade.

  • So, ich habe meine Definition des Begriffs “Einigungsversuch” überprüft:

    Dieser Vermittlungsversuch kam zunächst mal von der Leiterin des Kulturamtes, Frau Cordes, und das war ein sehr ehrenwerter Versuch, Schaden von allen Beteiligten abzuwenden, den ich absolut respektiere. Seltsamerweise hat dann bei meinem Treffen mit Herrn Bischoff, dieser alles, was Frau Cordes anmoderiert hatte, mir gegenüberüber als „Missverständnis von Frau Cordes“ abgetan, denn seine „Angebote“ hatten da schon rein gar nichts mehr damit zu tun, was im Vorfeld moderiert wurde. Was da im Vorfeld von Frau Cordes im Gespräch mit Herrn Bischoff erörtert wurde und mir dann als Vermittlungsvorschlag angetragen wurde… das möge Frau Cordes am besten bei Bedarf mal wieder geben. Ich weiß nur, was Herr Bischoff mir als Einigungsvorschlag vorgetragen hat. Zum Thema Richtigstellung der öffentlich vorgetragenen Unwahrheiten kam nichts – stattdessen wurde mir vorgeschlagen, zwecks Planungssicherheit, die Radikalkürzung der Förderung nunmehr für zwei Jahre festzuschreiben. Worauf ich Herrn Bischoff daran erinnerte, das meine „Einwände“, mit dieser Kürzung das Filmfestival nicht erhalten zu können, keine Phrasen, sondern der ernsthafte Versuch seinen, darüber in einen sachlichen Dialog zu treten. Demnach könne ich so einen Vorschlag wohl kaum akzeptieren. Daraufhin hatte Herr Bischoff noch folgendes anzubieten: wenn ich die Klage zurückziehen würde, könne er darüberhinaus noch dafür sorgen, dass die Förderung für das Filmfest nicht in diesem Jahr noch weiter zusammen gekürzt würde.

    Dieses Angebot habe ich dann nicht mehr als einen „Einigungsversuch“ verstanden. Mir sind da andere Begriffe für so ein „Angebot“ durch den Kopf geschossen, die ich hier aber besser nicht ausspreche – schließlich bin als Filmfest-Leiter vielleicht zu sehr an Kinovorbildern geschult…

    Im übrigen, die ersten Versuche zur einer Einigung sind von uns ausgegangen, noch bevor die Unterlassungen überhaupt verschickt wurden, in dieser Sache war der SPD Vorsitzende Herr Krogmann mit viel Vernunft und Besonnenheit beteiligt, daraus geworden ist nichts … aber jetzt kann ich nur sagen, wie gut, dass ich nicht allein war, als mir Herr Bischoff seinen „Einigungsversuch“ vorgetragen hat.

  • avatar Peter Maier

    Das Filmfest Oldenburg ist eine Eierschaukel-Aktion für (pseudo-)interlektuelle KulturschnepfInnen. Beer hat Recht: Die Einnahmeseite stimmt nicht, in der breiten Bevölkerung findet das Filmfest einfach nicht statt. Da wird viel Aufwand betrieben und viel Geld verpulvert aber leider nur für eine verschwindend geringe Minderheit, die sowieso nur am kalt/warem Buffet interessiert ist. Damit kein Missverständnis aufkommt: Ich bin für ein Oldenburger Filmfest, aber es muss populär sein, damit der finanzielle Aufwand gerechtfertigt werden kann. Für die Stadt wäre ein Filmfest von wirklichem Ruf Gold Wert. Das sollte man sich dann auch was kosten lassen. Aber so wie derzeit ist es doch eher peinlich – und dann unterm Strich auch definitiv zu teuer.

  • avatar Felix Zimmermann

    @ torsten neumann “angeben” im Sinne von “sagen”, also von uns aus völlig wertfrei.

  • @Felix Zimmermann/Redaktion: Frage – ist der letzte Satz dieses Artikels ein Werurteil eurerseits über etwas, was Bernd Bischoff “angegeben” hat, was dann von Euch so gedeutet wurde? Oder kann man diese Angaben auch in “Anführungsstrichen” als Statement des Herrn Bischoff bringen? Ich überprüfe indessen meine Defintion des Begriffs “Einigungsversuch”.

  • avatar Lukas Spille

    Ganz ehrlich: Mit einer solchen Erklärung wäre ich bei dieser Ausgangslage auch nicht einverstanden gewesen.

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