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| 24. März 2011 07:00 | 4 Kommentare
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Während der Traditionsclub VfB Oldenburg seit Jahren durch die unteren Fussballigen tingelt, rüstet man in Oldenburgs russischer Partnergemeinde auf. Der Erstligist Anschi Machatschkala verpflichtete unlängst Defensivstar Roberto Carlos. Zieht der VfB nun nach?

Der VfB Oldenburg sucht einen Oligarchen. ILLUSTRATION: Hannes Mercker

Der VfB Oldenburg sucht seinen Oligarchen. ILLUSTRATION: Hannes Mercker

Einmal mehr ist der VfB hinter den Erwartungen geblieben. Zielsetzung war Aufstieg, wie jedes Jahr. Nun ist man abgeschlagen auf Platz Sechs in der Oberliga Niedersachsen, mit Müh und Not rettete man am vergangenen Wochenende einen 3:2 Sieg gegen Rahmelingen-Ehlershausen über die Ziellinie. Gerade einmal 700 Zuschauer sahen das Spiel, letzte Saison kamen gut und gerne mal 2.000. Doch der VfB hat ein noch größeres Problem. Will man wieder erfolgreich werden, muss endlich Geld in die Hand genommen werden. Doch für Sponsoring in der fünften Liga zeigt keines der wenigen potenten Oldenburger Unternehmen Interesse. Geschäftsführer Jörg Rosenbohm, der seinen Rückzug nach der Saison ankündigte, bestätigt das in einem NWZ-Interview. Der entscheidende Schritt in die Regionalliga sei bisher leider verwehrt geblieben, “dazu hätte es schon ein wenig mehr finanzieller Mittel bedurft.“ Michael Richter, sportlicher Leiter, freute sich zwar zuletzt über den talentierten Neuzugang Theodor Koch aus Göttingen. Doch warum kam der? Er studiert in Oldenburg. Neuverpflichtungen sind derzeit Glückssache beim VfB.

Weltstars im Kaukasus

3.087 Kilometer entfernt von Oldenburg spielt Anschi Machatschkala in einer ganz anderen Liga. Und das im doppelten Sinne: Man ist Erstligist – und hat Geld wie Heu. Der Oligarch Suleiman Kerimov, milliardenschwerer Investor, kaufte den Club zu Beginn des Jahres und ließ sich nicht lange bitten. Der ehemalige Weltstar Roberto Carlos kam, umgerechnet sieben Millionen Euro soll er pro Saison kassieren. Die Nationalspieler Jucilei da Silva (Brasilien) und Mbark Boussoufa (Marokko) sind ebenso verpflichtet worden, jetzt steht auch noch Genaro Gattuso, italienischer Ex-Weltmeister, auf der Wunschliste. Ein „El Dorado für Fussball-Altstars“ nennt das der Onlinedienst Spox.com.

Oldenburg sucht seinen Oligarchen

Mit Erdölraffinerien, Maschinenbau- und Textilfabriken in der Hauptstadt der russischen Teilrepublik Dagestan kann man in Oldenburg nicht mithalten, an der Hunte ist die Industrie rar gesät. Der VfB träumt von einem Großsponsor, gefunden hat er noch keinen. Man besinnt sich daher seit einigen Jahren notgedrungen auf die Jugendarbeit, die U19 spielt immerhin Bundesliga. Doch davon kann das Zugpferd, die erste Mannschaft, kaum profitieren. Man behilft sich mit massivem Kleinsponsoring, dem 11er, 1897er und 1000er Club und einer eigens ins Leben gerufenen Sponsoring GbR. Da sollen die Sponsoren untereinander „Kontakte knüpfen, Beziehungen Pflegen, Partnerschaften aufbauen…“, heißt es auf der Webseite des VfB. Klingt nach Klüngelei, fast wie im fernen Russland. Aber Oligarchen findet man in Oldenburg trotzdem nicht, höchstens Sonnenkönige. Die unterstützen lieber den öffentlichkeitswirksameren Bundesligasport in Oldenburg – und der ist, wohl noch auf lange Zeit, beim Hand- und Basketball zu finden.

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Amon Thein ist Autor, Regisseur und Produzent einiger Kurzfilme und Dokumentationen. Seit 2005 produziert er Kinowerbung, Doku-, Kurz- und Imagefilme unter dem Label »Schwarzseher Film«.
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4 Kommentare

  • Ich bin traurig, ich hoffe ihr seid es auch !
    Ehrliche, bodenständige Arbeit bringt Erfolg, könnte man jetzt sagen, aber was will man genau. Der VfB ist verkrampft auf allen Ebenen und kommt somit keinen Schritt weiter.

    Die Ansprüche der Leute in OL liegen Jahre auseinander. Der Fan ist nicht unbedingt mit dem zufrieden was er vorfindet, ist aber Fan und somit kaum trennbar von der Blauen Zitrone. Der Erfolgszuschauer (die Mehrheit in OL) drückt eher seinen Finger in die Wunde, anstatt seinen Geist und Körper zu bewegen und etwas für den VfB zu schaffen. Leider sieht man in der Stadt nicht, dass der VfB Fussballverrückt macht.
    Nur hin und wieder sieht man etwas blaues an sich vorbei ziehen. Es ist immer schnell gesagt, ich komme erst wieder, wenn der VfB höherklassig spielt.
    Hmmmmm, genau hier liegt der Hase im Pfeffer !
    Der VfB braucht jetzt alle, wenn das Stadion voll ist und ein Team auf dem Platz steht erledigt sich das Andere (Vermarktung) von fast allein. Was machen die Fussballfans am Sonntag, die nicht im Stadion sind ?
    Bestrafen sie den VfB oder sich selbst ? Letzteres scheint mir eher der Fall, jeder einzelne kann etwas an der 5. Liga Situation ändern, indem er zum VfB geht und nicht hinter verschlossener Tür über ihn herzieht und sich im selben Atemzug tollen Fussball in Oldenburg wünscht.

    Ich würde mich freuen, eines Tages durch die Stadt zu fahren auf dem Weg zum Stadion viele, viele Blaue Zitronen zu sehen, es ist möglich mit gut 5.000 im MWS 2 oder 3 Stunden (auch in der 5. Liga) eine schöne Zeit zu haben, egal ob man verliert oder gewinnt, zusammen geht viel mehr als man glaubt !
    Mal so in den Raum geworfen…irgendwann erinnern sich viele daran mit Freude zurück und denken laut: “Weißt du noch, damals in der 5. Liga ? 5.000 kamen damals das war vollkommen irre ! Das ist Fussball, mein Lieber !”

  • @Ex-Gönner: Klar gings ihm da gut. Aber Sponsoren haben sich meiner Meinung nach aus dem Sportlichen rauszuhalten und die Abhängigkeit sollte auch begrenzt bleiben. Darum war das mit Sprehe nicht so ideal.

    Ob die letzten fünf Jahre nun erfolgreich waren oder nicht… Nach dem Aufstieg war man auf Anhieb in der Regionalliga ganz oben mit dabei. Wäre da nicht diese Reform gewesen hätte man sich da stabilisieren können und alle wären glücklich und bereit für neue Ziele. Aus der 5. Liga kommt man aber nun eben nicht mit einem Fingerschnippen und das da auch die Sponsoren nicht ewig Lust drauf haben ist nachvollziehbar.

  • Richtig gut ging es VfB Oldenburg in den Jahren, in denen “Hühnerbaron” Sprehe säckeweise Geld in der VfB-Geschäftsstelle ausschüttete. Danach gabe es nur Sprüche zu Hauff, ohne nachvollziehbare Erfolge. Weder sportlich noch finanziell.

  • Meiner Meinung nach muss man nach Jahren in der fünften Liga einen anderen Ansatz wählen als nach dem großen Geld zu suchen. Das wird aktuell aus Oldenburg nicht kommen und einen Oligarchen, Tauringetränkehersteller oder Hühnerbaron will hier wohl auch nicht wirklich jemand.

    Gedanken zum neuen VfB-Konzept gibts hier: http://www.oldenburger-sportblog.de/das-neue-vfb-konzept

    Sportliche Grüße,

    derLampe

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